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Vorwurf: Web of Trust soll Nutzer ausspähen

02.11.2016 | 10:44 Uhr |

Die beliebte Browser-Erweiterung Web of Trust (WOT) späht angeblich Nutzerdaten aus. Die Macher reagieren nicht auf die Vorwürfe.

Die Browser-Erweiterung Web of Trust (oder auch WOT genannt) warnt die Nutzer vor nicht vertrauenswürdigen Websites. Sie wurde laut Angaben der Entwickler über 140 Millionen Mal heruntergeladen. Recherchen des NDR haben nun ergeben, dass WOT offenbar die Daten der Nutzer ausspäht und an Dritte weitergibt. Mithilfe von WOT sei ein Datensatz erstellt worden, der die besuchten Websites von rund drei Millionen Deutschen enthalte, berichtet der NDR. Vorausgegangen seien monatelange Recherchen.

Die für alle wichtigen Browser verfügbare Erweiterung WOT blendet in der Symbolleiste ein neues Icon ein. Wenn der Nutzer eine Webseite besucht, dann kann er auf dieses Icon klicken und erhält eine Übersicht, wie vertrauenswürdig die Webseite von anderen Anwendern eingeschätzt wird.

Laut den Recherchen des NDR protokolliere WOT das Surfverhalten der Nutzer mit Datum, Uhrzeit und aufgerufener Website. Die Daten landen dabei auf einem ausländischen Server und würden dann an Zwischenhändler verkauft.

Die Macher der Erweiterung weisen zwar auf ihrer Website darauf hin, dass die Erweiterung Daten sammelt, die an Dritte weitergegeben werden, allerdings würden die Daten vorher anonymisiert.

NDR-Reporter gelangten über einen der Zwischenhändler an einen Datensatz. Über Stichproben konnten aus diesem Datensatz mehr als 50 Nutzer der Erweiterung persönlich identifiziert werden. Der Datensatz enthielt unter anderem Mail-Adressen, Anmeldedaten, und andere Bestandteile der aufgerufenen Websites konnten nachverfolgt werden.  Durch die Daten ließen sich beispielsweise Rückschlüsse auf Drogenkonsum und Reisen der Nutzer schließen. Auch vertrauliche Umsatzzahlen eines Medienhauses und Details der Ermittlungen eines Polizisten steckten in den Daten.

Gegenüber dem NDR erklärte Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter von Hamburg, dass das Unternehmen die Daten nach deutschem Recht nicht weitergeben dürfe. "Zur Weitergabe von personenbezogenen Daten brauchen Unternehmen grundsätzlich eine Einwilligung der Betroffenen", so Caspar.

Laut dem NDR reagierte das Unternehmen, das für WOT verantwortlich ist, auf keine der Anfragen der Reporter.

Im Forum von WOT gibt es bereits mehrere Anfragen besorgter Nutzer der Browser-Erweiterung, ob der Bericht des NDR wahr sei. Darunter dieser Thread und dieser Thread. Auch in diesen Fällen finden sich bisher noch keine offiziellen Stellungnahmen der WOT-Macher.

Der Wikipedia-Artikel zu WOT wurde ebenfalls bereits um die Ergebnisse der NDR-Recherche ergänzt.

Anonym Surfen im Web

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