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Vorstandsumbau bei der Telekom - Sparten werden enger verzahnt

06.12.2006 | 09:18 Uhr |

Drei Wochen nach seinem Amtsantritt hat Telekom-Chef René Obermann den Vorstand gründlich umgebaut.

Festnetz-Chef Walter Raizner und Personalvorstand Heinz Klinkhammer legen ihre Ämter nieder, wie die Deutsche Telekom am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung in Bonn mitteilte. Neu in das Gremium rücken ein Timotheus Höttges als Chef der Festnetzsparte T-Com und Hamid Akhavan als Vorstand für den Mobilfunkbereich T-Mobile.

Da zunächst kein neuer Nachfolger für Klinkhammer gefunden wurde, wird Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick das Ressort kommissarisch übernehmen. Die Gewerkschaft ver.di ist demnach mit ihrer Kandidatin, der T-Systems-Managerin Regine Büttner, gescheitert. Über die Neubesetzung von Schlüsselpositionen bei der Telekom war bereits seit dem Spitzenwechsel von Kai-Uwe Ricke zu Obermann spekuliert worden.

Weiterhin im Vorstand vertreten bleiben Lothar Pauly, der für T-Systems zuständig ist, und Finanzvorstand Eick. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag von Eick um weitere fünf Jahre. Der langjährige Finanzvorstand gilt als wichtiger Garant für die Stabilität im Vorstand von Europas größtem Telekomkonzern.

Höttges wird neben dem Festnetzbereich den Service- und Vertriebsbereich von T-Mobile in Deutschland verantworten. Akhavan wird neben T-Mobile für das Geschäft in Osteuropa sowie die Entwicklung neuer Produkte zuständig sein.

Alle Vorstände erhielten damit mehr spartenübergreifende Funktionen, sagte Obermann. Mit der Verzahnung von T-Com und T-Mobile reagiert er auf den harten Wettbewerb in Deutschland, der zu einem massiven Kundeneinbruch bei T-Com führte und die Margen im Mobilfunkgeschäft unter Druck setzt. In den ersten drei Quartalen wechselten 1,5 Millionen Kunden von T-Com zur Konkurrenz.

Im Vordergrund steht eine Verbesserung beim Service. "Für die neue Führung der Deutschen Telekom sind mir höchste Kundenorientierung, unternehmerisches Denken und Innovationskraft besonders wichtig", sagte Obermann.

Dem Aufsichtsrat präsentierte Obermann am Dienstag neben dem Vorstandsumbau nur Eckpunkte seiner Strategie. Bis zum Frühjahr will der Manager die "langfristige Strategie der Deutschen Telekom weiterentwickeln". Eine Verschmelzung von T-Com und T-Mobile soll es nach Angaben aus Konzernkreisen aber nicht geben. Eine Fusion der beiden Bereiche würde die Handlungsfähigkeit blockieren, was bei dem harten Wettbewerbsumfeld in Deutschland fatale Folgen haben könnte, hieß es.

Obermann hatte am 13. November den Vorstandsvorsitz von Ricke übernommen, der auf Druck der Bundesregierung und des Finanzinvestors Blackstone zurückgetreten war. Die Großaktionäre versprechen sich von dem Wechsel an der Konzernspitze Impulse für den seit Monaten stockenden Aktienkurs. (dpa/tc)

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