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Microsofts Chefarchitekt hat Angst vor Open Source

29.05.2008 | 13:37 Uhr |

Microsofts Angstgegner heißt nicht Google sondern freie Software - zumindest ist dieser Meinung Ray Ozzie, seines Zeichens Chief Software Architect und Erfinder von Lotus Notes.

Noch klingt einem Steve Ballmers angebliches Zitat über seinen Rivalen Google in den Ohren ("I'm going to f***ing kill Google!"), doch Microsofts Chefarchitekt hat einen ganz anderen Wettbewerber ganz oben auf seiner Agenda. Google sei zwar ein "wahnsinnig starker Wettbewerber", erklärte Ozzie auf der Sanford-Bernstein-Konferenz Strategic Decisions in New York. Allerdings sei "Open Source potenziell viel zerstörerischer" für das Geschäftsmodell von Microsoft . Unter anderem, weil viele Open-Source-Programmierer nicht irgendwelche Aktionärsinteressen verpflichtet seien. Andererseits habe Open Source "Microsoft auch zu einem viel stärkeren Unternehmen gemacht", indem es Veränderungen an Microsofts Produkten in Richtung mehr Interoperabilität getrieben habe.

Matt Asay verweist bei "Cnet" diesbezüglich unter anderem auf Ozzies Kollegen Jason Matusow, der seit langem die Auffassung vertrete, je mehr Open-Source-Software aussehe wie kommerzielle, desto einfacher sei es für Microsoft, damit zu konkurrieren. Viel interessanter ist aber seine Feststellung, Microsoft müsse eben doch die Googles dieser Welt am meisten fürchten - Firmen, die Open-Source-Entwicklung unterstützten ohne die Notwendigkeit, diese Software auch direkt zu verkaufen.

Microsoft, so Asay, wisse, wie man Software verkaufe. Es habe aber noch immer keinen Schimmer, wie man freie Software dazu nutzen könne, mehr freie Software zu schaffen und gleichzeitig proprietäre Service auf Basis dieser freien Software anzubieten. Stattdessen glaube der Redmonder Konzern noch immer, alles selbst bauen und das Rad jedes Mal selbst erfinden zu müssen.

Asay zitiert dazu Vic Gundotra, Vice President of Engineering for Developer Products bei Google, wie folgt: "Nach Jahren des Kampfes zwischen Plattformen hat das Web gewonnen, weil es offen und allgegenwärtig ist und weil es eine leidenschaftliche Community gibt, die gemeinsam daran arbeitet, es voranzubringen. Offenheit ist großartig für Entwickler und Nutzer, weil sie Hürden bei der Entwicklung toller Applikationen einreißt und weil sie die nächste Innovationswelle beschleunigt, indem gute Ideen geteilt werden. Das Web ist nicht abhängig von irgendeiner API, einem Produkt oder Tool, weder von Google noch von sonst jemandem. Der aggregierte Effekt all unserer Zusammenarbeit, mit offenen Standards und Open Source, macht den wirklichen Unterschied."

Ein solches Statement von Microsoft sei undenkbar, schließt der Kollege. Und deswegen versage Microsoft im Web. In der Summe verstehe Microsoft das Internet, das ultimative Kind der Open-Source-Bewegung, noch immer nicht. Es sei das Netz, das gleichzeitig Google und Open Source so brilliant destruktiv und ruinös für Microsofts Business-Modell mache.

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