62440

Vodafone will im Festnetz expandieren

Vodafone steht kurz vor einem gravierenden Strategiewechsel und auch der Konzernumbau soll die Briten wieder weiter nach vorn bringen.

Die Nachricht von der Wiedereingliederung der Festnetzsparte Arcor in den Vodafone-Konzern ist noch gar nicht so lange her, da denkt der weltweit größte Mobilfunkanbieter schon über neue Akquisitionen nach. Vodafone hatte in der Vergangenheit seine Aktionäre nicht beglücken können, da aufgrund von Neubewertungen der Firmenwert rapide nach unten korrigiert werden musste. Auch interne Streitigkeiten in der Führungsriege trugen nicht zu Kurssteigerungen bei. Es wurden sogar Spekulationen über eine zurzeit sehr günstige feindliche Übernahme laut. So ist Vodafone gegenüber seinen immer weiter aufholenden Konkurrenten T-Mobile und Telefonica nun in Zugzwang geraten. Der erster Schritt, um wieder mehr Geld in der Kriegskasse zu haben, war der Verkauf des japanischen Vodafone-Ablegers. Dieses Geld könnte für Übernahmen von Festnetzanbietern dienen, da die Sättigung in vielen Vodafone-Kernländern wie Großbritannien, Spanien und Italien schon erreicht ist.

So prüft Vodafone derzeit den Kauf von Colt Telecom oder Cable & Wireless. Auch das ehemalige Staatsunternehmen und Marktführer in Großbritannien, BT Group, könnte von Interesse sein. Ein Verschmelzen von Vodafone und BT könnte jedoch aus kartelltechnischen Gründen sehr Bedenklich sein. Der Strategiewechsel von Vodafone wäre eine komplette Kehrtwende, denn die Briten hatten sich im Gegensatz zu anderen Unternehmen nur auf den Mobilfunk konzentriert. Dies führte jedoch in der Vergangenheit mit zunehmendem Wettbewerbsdruck zu immer geringeren Margen. Dieser Trend hatte sich mit dem Entstehen von Discountern sogar noch beschleunigt und zu der jetzigen problematischen Situation von Vodafone geführt.

In Deutschland konnte Vodafone im Gegensatz zu anderen Ländern noch auf ein Relikt aus der Übernahme von Mannesmann blicken ? Arcor. So kann die deutsche Tochter Arcor auf derzeitige Wachstumsraten von rund 20 Prozent verweisen, was durch dass boomende Breitbandgeschäft mehr Wachstum als die Mobilfunksparte bietet. Auch die starke Konvergenz zwischen Breitband mit seinen lokalen W-LAN Zugängen und den Möglichkeiten von UMTS durch HSDPA machen es Vodafone schwerer ohne Festnetzanbieter kombinierte Produktpakete für den Kunden anzubieten. Auf der anderen Seite passt ein Strategiewechsel derzeit auch gut in die angekündigten Umstrukturierungen des Konzerns. So wird es ab dem 1. Mai diesen Jahres drei Geschäftseinheiten mit den Schwerpunkten Europa, Schwellenländer und Neue Dienste geben. Die Leitung der neuen bei der Telekom so genannten Säulen werden CEOs (Chief Executive Officers) übernehmen, die unmittelbar dem Group-CEO Arun Sarin unterstellt sind.

Für Europa mit seinen schon erwähnten schweren Wettbewerbssituationen will Bill Morrow als CEO Europe vor allem Kosteneinsparungen durchsetzen. Hier ist aufgrund der von der EU angekündigten Senkung der Terminierungsentgelte für Gespräche aus dem Festnetz als auch die Roaming-Gebühren mit sinkenden Umsätzen und Margen zu rechnen. In den Schwellenländern wollen die Briten jedoch auch weiterhin auf starkes Kundenwachstum setzen. Dem zuständigen CEO Paul Donovan unterstehen neben den wachstumsstarken europäischen Ländern wie Polen, Tschechien oder Ungarn, sowie Afrika und dem pazifischen Raum auch die Partner- und Beteiligungsunternehmen in Frankreich (SFR), den USA (Verizon Wireless) oder China Mobile.

Letzter im Bunde ist CEO Thomas Geitner für die Einheit New Businesses & Innovation, die gerade für die neue Strategiewende und neue Einnahmequellen aus IP- und Konvergenzdiensten von großer Bedeutung sein wird. Der Deutsche hat bereits aus seinem Wirken bei den Festnetzanbietern RWE und o.tel.o Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt.

powered by AreaMobile

0 Kommentare zu diesem Artikel
62440