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GPS-Telefonbuch fürs Handy

Das dänische Startup Zyb hat eine Software vorgestellt, mit der Kontakte aus dem Telefonbuch auf einer Landkarte im Handy lokalisiert werden können. Die Ortung erfolgt über die Funkzelle und später per GPS. Zusätzlich blendet Zyb ein, was die Freunde gerade machen und was sie demnächst vorhaben. Nokia bemüht sich derzeit, ähnliche Funktionen durch den Kauf der Firma Plazes aufs Handy zu bringen.

Das mobile Sozialnetzwerk Zyb bringt neue Funktionen aufs Handy, die Nokia vor Neid erblassen lassen könnten. Die Vodafone-Tochterfirma hat eine Software programmiert, mit der im Telefonbuch verzeichnete Freunde auf einer Landkarte im Handy geortet werden können. Nokia hatte neulich eine ähnliche Funktion als langfristiges Entwicklungsziel angekündigt. Die Anzeige des Aufenthaltsortes wird bei Zyb bis zu viermal pro Stunde aktualisiert. "Wir setzen eine kostenlose Ortung des Handynutzers über die Funkzelle ein", sagt Geschäftsführer Tommy Ahlers. "Damit niemand sich verfolgt fühlt, lässt die Genauigkeit der Lokalisierung sich auf die Stadt oder das Land beschränken." Zusätzlich werden Statusmeldungen aus Twitter und Facebook eingeblendet, um zu sehen, womit die Freunde gerade beschäftigt sind und was sie später noch vorhaben.

Weitere Services, deren Inhalte angezeigt werden, sind Del.icio.us, Skype, LinkedIn, Youtube, Flickr oder RSS-Feeds. So lassen sich zu jedem Freund im Telefonbuch beispielsweise auch seine neuesten Blog-Einträge, Fotos oder Videos sehen. Bisher bietet Zyb diese Software nur für Handys von Sony Ericsson an, doch bald soll auch eine Symbian-Version veröffentlicht werden. Dann kommt außerdem GPS zum Einsatz, um die Lokalisierung zu präzisieren. Die dänische Firma Zyb kommt damit dem Mobiltelefon-Hersteller Nokia zuvor, der genau solche Funktionen demnächst auf seine Handys bringen möchte. "Es gibt 60 Milliarden Telefonbuch-Einträge in den Nokia-Handys", sagte Michael Halbherr, Geschäftsführer der Nokia gate5 GmbH, vor vier Wochen auf einem Presse-Workshop. "Das ist der größte Social Graph der Welt."

Seine Firma entwickelt die Navigationssoftware Nokia Maps, die in den kommenden Monaten um die Funktionalitäten des hinzugekauften Startups Plazes erweitert werden soll. Bei Plazes können die Nutzer per Laptop oder Handy melden, wo sie gerade rumhängen und ihre Pläne für den Rest des Abends verkünden. Veröffentlicht werden die Informationen durch kleine Einträge auf der Website, wofür Plazes bisher noch Landkarten von Google Maps einblendet. Demnächst soll das auch mobil möglich sein, die Standorte werden dann in Nokia Maps eingeblendet. Zusätzlich sollen über den Nokia-Service Ovi auch aktuelle Fotos, Statusmeldungen und Inhalte derselben Sozialnetzwerke wie bei Zyb angezeigt werden. Die Telefonbucheinträge im Handy, die Nokia demnächst als Knotenpunkte in einem Sozialnetzwerk verwenden möchte, hat Zyb schon seit zwei Jahren für diesen Zweck eingesetzt.

Wer seine Nummern und andere Handy-Daten per SyncML mit dem Server von Zyb synchronisiert, um eine Sicherheitskopie anzulegen, kann diese Informationen mit anderen Nutzern teilen. Wenn ein Zyb-Benutzer seine Daten ändert, aktualisiert er damit auch die Adressbücher in den Handys seiner Freunde. Mit der neuen Software kann er nun auch regelmäßig die Anzeige seines Standorts aktualisieren. Zyb nimmt damit viele neue Features vorweg, die Nokia bisher nur in Powerpoint-Präsentationen ankündigen konnte. Geschäftsführer Tommy Ahlers wird dennoch nicht überheblich. "Wir freuen uns, wenn Nokia dasselbe macht", sagte er in einem Interview bei AreaMobile.de. "Dadurch lernen die Nutzer endlich, was mit ihren Mobiltelefonen möglich ist." Die meisten Handybesitzer hätten noch nicht einmal begriffen, dass sie mit Zyb Sicherheitskopien ihre Handynummern im Internet anlegen können.

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