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Vista-Verspätung: Gute Nachrichten für Apple?

22.03.2006 | 13:44 Uhr |

Microsofts Entscheidung, den Veröffentlichungstermin der Endkunden-Versionen von Windows Vista nach hinten - auf Januar 2007 - zu verschieben, könnte Konsumenten im (Vor-)Weihnachtsgeschäft dazu verleiten, Macs zu kaufen. Das meinen zumindest einige Analysten.

Jim Allchin, Co-President der "Platforms & Services"-Abteilung bei Microsoft, hat gestern – wie bereits von uns berichtet – in einer eilig einberufenen Telefonkonferenz mitgeteilt, dass Microsoft den Vista-Liefertermin des Volumen-Lizenz-Programms einhalten wird, jedoch die Endkunden-Versionen – und die OEM-Fassungen – frühestens im Januar 2007 liefern wird. Wie sich diese Ankündigung auf den Markt auswirkt, wird von Analysten derzeit recht unterschiedlich eingeschätzt.

Manche sehen Apple dabei ganz klar auf der Gewinnerseite. “Das gibt Apple den größten Mitbewerber-Vorteil, den sie von Microsoft je in der Geschichte bekommen haben“, so Rob Enderle, Gründer der bekannten Enderle Group . Weiter sagte er: „Ich glaube nicht, dass irgendjemand da drüben den Apple Kram ernst nimmt. Das ist ein Fehler“.

Nicht ganz so dramatisch sieht es IDC-Analyst Bob O'Donnell. Er ist zwar auch der Meinung, dass Apple von der Vista-losen Weihnachtszeit profitieren wird. Aber: „Man muss das alles sehr nüchtern betrachten. Selbst wenn für (Apple) ein ganzer Prozentpunkt an Marktanteilen daraus raus springt, bringt sie das insgesamt nur auf einen Marktanteil von 3,5 bis 4,5 Prozent.“

In einigen Punkten stimmen die beiden Analysten aber überein: Enderle und O'Donnell finden es ironisch, dass Microsoft Windows Vista noch 2006 für Kunden des Volumen-Lizenz-Programms verfügbar macht, denn typischerweise sind große Unternehmen diese Kunden und sie migrieren nicht vor 2007 oder 2008 auf Vista.

Die Ankündigung, dass Volumen-Lizenz-Programm noch 2006 zur Verfügung zu stellen, hält O'Donnel im Übrigen nur für eine Maßnahme, um das Gesicht zu wahren. So soll zumindest das Versprechen, Vista bis Jahres Ende zu liefern, irgendwie eingehalten werden.

All die Erklärungen ändern im Grunde nichts daran, dass die Vorweihnachtszeit und das Weihnachtsgeschäft das Quartal im Jahr sind, in dem Konsumenten am tiefsten in den Geldbeutel greifen, um sich IT-Technologie zuzulegen. Die Verspätung von Vista wird für PC-Hersteller daher schwer zu schlucken sein. Irgendetwas werden sie sich auf jeden Fall einfallen lassen müssen, um den Schlag abzufedern. O'Donnell mutmaßt, dass sich Hersteller eventuell auf eine Art Gutschein für ein kostenloses Update auf Vista einlassen.

Auf Anfrage hatten größere PC-Hersteller allerdings noch keine derartigen Pläne in der Schublade, und auch keine Antworten auf mögliche Auswirkungen der Verspätung. Tom Kehoe, Dell-Sprecher, sagte nur, dass Dell Vista ausliefern würde, wenn es verfügbar sei und man nach wie vor aufgeregt sei, dies tun zu dürfen. Ähnlich neutral drückte sich eine Sprecherin von HP, Melissa Stone, aus: HP würde Infos über unangekündigte Produkte nicht öffentlich kommentieren.

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