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Virtuelles Kraftwerk dank intelligenter Energienutzung

27.03.2007 | 08:30 Uhr |

Fraunhofer-Forscher haben herausgefunden, wie man den Energiemix intelligent nutzen kann und so Kosten spart, Preise senkt und die Versorgung sicherer macht.

Der Grund für länderübergreifende Stromausfälle liegt nach Meinung vieler Experten in der Vielfalt der Stromanbieter. Statt weniger großer Kraftwerke, die ihre Energie bedarfsorientiert ins Stromnetz einspeisen, sorgt eine Vielzahl kleiner Stromerzeuger für den Saft aus der Dose. Dass man solche Ausfälle durch ein „Intelligentes Energienetz“ vermeiden kann, darauf weisen Forscher des Fraunhofer-Verbunds Energie hin.

Dessen Geschäftsführer Thomas Schlegl sieht in der Vielfalt der Stromanbieter eine Chance: „Ein intelligentes Energienetz bietet die Möglichkeit, Energiekosten zu senken und die Verbraucher über flexible Energiepreise in die Austarierung eines Netzes mit einzubeziehen.“

Was darunter zu verstehen ist, hat ein erster Praxistest in Stutensee bei Karlsruhe gezeigt: Bei gleich bleibender Netzkapazität kann das Netz hier aufgrund der intelligenten Steuerung mehr dezentrale Einspeiser aufnehmen – vor allem aus Solarstromanlagen. „In der Siedlung mit etwa 100 Privathaushalten werden durch das Energiemanagement Leistungsspitzen auf der Mittelspannungsebene vermieden“, so Schlegl. Der Netzbetreiber bestätigt, man habe die Spitzenlast wie vorgesehen um 35 Prozent reduziert.

Kern der intelligenten Steuerungssysteme sind Algorithmen, die dem System nach Bedarf Freiheitsgrade einräumen. Sie berücksichtigen, von wo überall in unterschiedlicher Menge Energie eingespeist und verbraucht wird. Wie sich Strom-Produktionsspitzen nutzen lassen, zeigte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE mit dem regionalen Projekt „Waschen mit der Sonne“: Sorgte die Sonneneinstrahlung für ergiebige Stromproduktion, erhielten Verbraucher per SMS eine Nachricht. Wer so mithalf, die Stromspitzen im Netz abzubauen, erhielt einen finanziellen Bonus.

Um solche Angebote machen zu können, ist eine ausgefeilte Kommunikationselektronik nötig. Der Fraunhofer-Verbund Energie arbeitet daher an Technologien für das Energiemanagement. „Mit einem regional vielfältigen Angebot dezentraler Stromquellen lässt sich auf diese Weise ein virtuelles Kraftwerk schaffen“, sagt Schlegl.

Die Fraunhofer-Forscher zeigen ihre Technik auf der Hannover-Messe (Stand E27, Halle 13) vom 16. bis 20. April. (dsc)

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