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Virtuelle Grabstätten

28.10.2000 | 18:06 Uhr |

Hinterbliebene richten immer öfter Grabstätten im Internet ein. Rund hundert virtueller Friedhöfe sind auf diese Art bereits entstanden, die in bestimmter Hinsicht mehr sind als eine elektronische Variante der irdischen Grabfelder. Klagen wie "Ich weiß nicht, warum du Selbstmord begangen hast, Andrew" sind ein Beispiel dafür, dass die Trauernden auf diese Weise auch versuchen, ihren Schmerz zu bewältigen.

Seit Mitte der neunziger Jahre die ersten virtuellen Friedhöfe im Internet eingerichtet wurden, ist ihre Zahl auf rund Hundert angewachsen. Die Elektronik-Grabfelder bestehen aus großen Datenbanken, die jeweils einige wenige bis mehrere tausend Nachrufe auf verstorbene Personen enthalten, so genannte Memorials.

Nach dem Selbstmord des 22 Jahre alten Andrew Kevan Shreeves klagt seine Schwester: "Ich weiß nicht, warum du Selbstmord begangen hast, Andrew. Du hast die Antwort auf diese Frage mit ins Grab genommen... Ich wünsche, dass ich die Uhr zurückdrehen und Dinge ändern könnte. Aber ich kann nicht".

Neben der Funktion der Selbstdarstellung und -aufwertung scheinen die Memorials aber auch Bedürfnisse nach Zuspruch zu erfüllen, denen im näheren Umfeld kaum so entsprochen werden kann. Ein einrucksvolles Beispiel hierfür gibt die umfangreiche, mit Musik und Bildern unterlegte virtuelle Grabstätte, die eine Mutter für ihre im Alter von elf Jahren verstorbene Tochter einrichtete.

Hier werden auch die Lebens- und Krankheitsgeschichte geschildert, Einblicke in das Familienleben gegeben, der Freundeskreis der kleinen Carol vorgestellt. In einem "Gästebuch" können Fremde Gedanken und Eindrücke äußern. Zusätzlich werden fortlaufend Seiten eines Tagebuchs der Mutter in eine Homepage gestellt, die Lesern Auskunft geben über die verschiedenen Phasen der Trauerbewältigung. (PC-WELT, 28.10.2000, dpa/ mp)

www.friedhof-online.de: Deutscher Online-Friedhof

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