6588

Virtuelle Friedhöfe: Strittige Zukunftsidee

Das Angebot klingt verlockend. "Wir bieten Ihnen eine sichere, aber ungewöhnliche Perspektive, egal welcher Tätigkeit Sie bisher nachgegangen sind", verspricht ein potenzieller Arbeitgeber auf auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit. Die Offerte wirbt mit attraktiven Konditionen: Arbeiten von zu Hause, sicheres Einkommen und selbstständiges Arbeiten werden ebenso genannt wie Zukunftssicherheit. Das Angebot bewirbt ein bislang eher unbekanntes Berufsbild - den virtuellen Bestatter.

Aufgegeben hat die Stellenanzeige Bernd Schröder, ein ehemaliger Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Melle bei Osnabrück. Der 57- Jährige stört sich seit langem daran, dass die Gräber auf realen Friedhöfen meist nach 20 bis 30 Jahren eingeebnet werden und die Hinterbliebenen damit eines Ortes für ihr Gedenken beraubt sind. Mit seiner Homepage www.friedparks.de will er Trauernden deshalb einen auf längere Zeit angelegten virtuellen Ort der Erinnerung an ihre Toten bieten. Über die Arbeitsagentur sucht er nun freie Mitarbeiter, um dem Service bundesweit zum Durchbruch zu verhelfen.

Bisher sind auf Schröders Internetseite allerdings vor allem historische Größen verzeichnet, etwa der im Jahr 530 gestorbene Vandalen-König Hilderich I. oder der mittelalterliche Maler Konrad von Soest (1370-1425). Auch an einige Ende der 90er Jahre Verstorbene wird erinnert, jüngere Einträge gibt es dagegen kaum. "Zahlende Kunden in dem Sinne habe ich noch nicht", räumt Schröder ein.

Auch auf anderen Gedenk-Homepages sind bislang nur wenige Einträge zu lesen. Sieben "Vermächtnisse" sind etwa auf www.ewigesleben.de freigeschaltet; im Gegensatz zu anderen Seiten sind hier diejenigen die Auftraggeber, an die später erinnert werden soll. Von einem Nachfrageboom hat der Betreiber, der Bochumer Designer Christian Kluth, noch nichts bemerkt. "Es plätschert so vor sich hin", sagt er.

Noch Generationen später könnten die hinterlegten Botschaften und Erinnerungen abrufbar sein, behauptet der Text auf Kluths Startseite, "in zehn, hundert oder tausend Jahren - solange es Menschen gibt". Als potenzielle Kunden sieht der Designer unter anderem die immer zahlreicher werdenden Singles: "Wenn Sie keine Angehörigen haben, müssen Sie im Todesfall ja selbst etwas veröffentlichen."

0 Kommentare zu diesem Artikel
6588