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Mit Musik-Flatrate gegen Piraterie

16.06.2009 | 12:41 Uhr |

Der britische Internetprovider Virgin Media will noch in diesem Jahr mit einem neuen unlimitierten Musikservice starten. Breitbandkunden des Unternehmens sollen dann gegen eine zusätzliche monatliche Gebühr, deren Höhe bislang noch nicht feststeht, nach Belieben Musik im kopierschutzfreien MP3-Format herunterladen können.

Als Partner für den noch namenlosen Dienst konnte das Major Label Universal Music http://www.universal-music.com gewonnen werden, weitere Content-Kooperationen sollen eigenen Angabe zufolge noch folgen. Wie sich der entsprechenden Ankündigung von Virgin Media entnehmen lässt, soll die Zusammenarbeit mit Universal dazu verwendet werden, verschiedene Ansätze im Kampf gegen Online-Piraterie in der Praxis zu testen. So soll eine Reihe von Anti-Piraterie-Maßnahmen eingesetzt werden, die sich vor allem gegen illegale Filesharer richtet. Diesen könnten nach wiederholten Vergehen sogar temporär der Internetzugang gekappt werden.

"Der neue Musik-Service ist so angelegt, dass er die Art und Weise, wie britische Konsumenten Musik kaufen und hören, grundlegend und permanent verändern wird", heißt es im offiziellen Statement von Virgin Media. Die unlimitierte Downloadmöglichkeit in Kombination mit dem Verzicht auf den DRM-Kopierschutz reflektiere das gemeinsame Engagement der beiden beteiligten Konzerne, mit der zunehmenden Nachfrage nach Online-Musik im digitalen Zeitalter Schritt zu halten. "Parallel dazu werden wir aber auch unsere Zusammenarbeit verstärken, was den Schutz des geistigen Eigentums von Universal betrifft und versuchen, die unautorisierte Verbreitung des Label-Repertoires über das Virgin-Media-Netzwerk zu reduzieren", ergänzt der Internetprovider. Im Grunde gehe es den Beteiligten dabei zwar darum, das Bewusstsein für legale Download-Alternativen zu stärken. Bei hartnäckigen Online-Piraten werde man als "letzten Ausweg" aber auch nicht davor zurückschrecken, vorübergehende Zugangssperren zu verhängen. Virgin wolle aber "keine Kunden permanent aussperren" und diesen Prozess ohne "Netzwerküberwachung oder Analyse des Internetverkehrs von Kunden" abwickeln.

Dass sich ausgerechnet Virgin Media als erster Internetprovider Großbritanniens aktiv am Kampf gegen Online-Piraterie beteiligt, ist wenig überraschend. So hatte das Unternehmen bereits Anfang April des vergangenen Jahres zugestimmt, an einem entsprechenden Testprojekt teilzunehmen, das die Providergesellschaft dazu verpflichtet, alle im eigenen Angebot befindlichen Webinhalte auf illegale Kopien von Musik und anderen Medien zu scannen. "Um dem Piraterieproblem im digitalen Zeitalter wirkungsvoll zu begegnen, sieht die GVU ein Kooperationsmodell mit Providern auf technischer Ebene als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden rechtlichen Instrumentarium", erklärt Christine Ehlers, Sprecherin der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Im Gegensatz zu den entsprechenden Plänen in Großbritannien und Frankreich schlage man für Deutschland allerdings ein Modell vor, das die Provider nicht dazu verpflichtet, eigenständig die Netze nach Raubkopien ihrer Kunden zu durchforsten, so Ehlers. (pte)

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