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Kinohelden aus dem Computer

24.02.2008 | 13:32 Uhr |

Beeindruckende Charaktere aus den Werkstätten der Computer-Animateure verzaubern das Kinopublikum. Ihnen Leben einzuhauchen, erfordert eine gehörige Menge Rechenaufwand.

In die Trickkiste gegriffen haben Regisseure schon immer. Aus Pappe, Gummi und Fell waren die ersten Gruselmonster wie Godzilla beschaffen. Je mehr Computer-Rechenleistung zur Verfügung gestanden hat, desto öfter wurden Monster und andere Filmhelden virtuell erzeugt. Entsprechende Produktions-Studios sind ganz in der Nähe des US-amerikanischen Silicon Valley bei San Francisco wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Im Jahr 1995 hat das Pixar-Studio mit "Toy Story" den ersten vollständig am Computer erzeugten Animationsfilm abgeliefert und damit eine neue Ära eingeläutet. Mit ihren Hochleistungsrechnern und viel Kreativität haben die Programmierer in den Folgejahren beispielsweise einem ängstlichen Clownfisch eine Stimme gegeben ("Findet Nemo"), den Zuschauer in "Das große Krabbeln" in die Welt der Insekten entführt und in "Ratatouille" gar eine Pariser Ratte zum Gourmetkoch aufsteigen lassen.

Um die Figuren möglichst realistische Bewegungen ausführen zu lassen und ihnen die passenden Gesichtszüge zu verleihen, studieren die Animations-Spezialisten zunächst genau die Bewegungsabläufe des Menschen. Probanden agieren vor einer Kamera und ihr Körper ist dabei mit Markierungen versehen. Deren relative Position zueinander wird von der Optik erfasst und an eine Software weitergegeben. Diese kann ein virtuelles Modell erzeugen, das die Bewegungen simuliert. Aus dem Modell wird dann die Trickfigur. Zudem müssen die Oberflächen der programmierten Helden simuliert werden. Bei Figuren in glatter Zeichentrick-Optik ist der Rechenaufwand deutlich geringer als bei Wesen, die etwa mit Fell oder Haaren bedeckt sind. Ein Beispiel hierfür ist der Löwe Aslan, der in den "Chroniken von Narnia" neben menschlichen Schauspielern auf der Leinwand erscheint. Die Haare müssen natürlich fallen, werfen Schatten oder bewegen sich im Wind - eine Herausforderung für jeden Computer.

Zur Berechnung solcher Filmszenen werden spezielle Grafik-Computer (Workstations) eingesetzt. Sie verfügen über sehr schnelle, miteinander verschaltete Prozessoren, große Mengen Arbeitsspeicher und enorm viel Speicherplatz. Zu sogenannten "Renderfarmen" werden die Workstations vernetzt, um in einer akzeptablen Zeitspanne (meist einige Monate bis zu eineinhalb Jahre) die Filmszenen zu berechnen. Normale Desktop-PCs würden hierfür je nach Bildauflösung zwischen zehn und hundert Jahre brauchen. Zu lang, um das Publikum mit einem neuen Kinoabenteuer zu verwöhnen.

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