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Goldman Sachs muss zwei Milliarden Dollar abschreiben

03.12.2008 | 12:28 Uhr |

Die Geschäftsbank Goldman Sachs rutscht erstmals nach dem Börsengang vor knapp zehn Jahren in die roten Zahlen.

Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Konzernkreise berichtet, muss man aufgrund von Abschreibungen in allen Geschäftsbereichen in den drei Monaten bis zum 28. November dieses Jahres einen Nettoverlust von zwei Milliarden Dollar verkraften. Dieser Verlust entspricht umgelegt auf den Wert der Aktie einem Minus von fünf Dollar - Analysten hatten zuvor gerade einmal einem Verlust von 0,62 bis einen Dollar Verlust vorhergesagt. Stimmen die Zahlen, schlittert die Bank in eine tiefe Krise, meinen Fachleute. Erst in einigen Wochen wird sich herausstellen, ob sich der Ausblick des Konzerns verdunkeln wird.

Die schlechten Geschäftszahlen kommen für Insider nicht von ungefähr. Ähnlich wie andere Finanzdienstleister musste auch Goldman Sachs im abgelaufenen Quartal herbe Verluste im Geschäftssegment sogenannter "Distressed Investments", schlecht oder gar nicht gesicherter Investments, hinnehmen. Dem Bericht nach hat sich der Konzern über mehrere Jahre massiv als Geldgeber für Projekte aller Art verspekuliert. Neben unsicheren Autokrediten in Thailand sowie Investitionen in einen südkoreanischen Likörhersteller, versuchte sich Goldman Sachs auch an Investitionen für notleidende Golfplätze in Japan. Obwohl diese Geschäfte lange Zeit lukrative Gewinne abwerfen konnten, sind diese aufgrund der Auswirkungen der Finanzkrise inzwischen enorm unter Druck geraten.

Obwohl derzeit noch unklar ist, ob die aktuellen Abschreibungen auf diese Art der Geschäfte zurückzuführen sind, hat die Bank schon 2005 mehr als 24 Milliarden Dollar ihres eigenen Kapitals in diesen Markt investiert. Neben diesem Bereich hat die Ex-US-Investmentbank weitere Abschreibungen zum Beispiel wegen Investitionen in die chinesische Bank ICBC vorgenommen. Dem Bericht nach haben die Amerikaner für zwei Milliarden Dollar Aktien der Chinesen gekauft. Wegen den Börsencrashs der vergangenen Wochen sind die ICBC-Papiere jedoch um fast 28 Prozent gefallen, woraus ein Abschreibungsverlust von 700 Milliarden Dollar entstanden ist. Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, hat Goldman Sachs nun angekündigt, die auf ihr lastenden Risiken zu reduzieren.

Dass das Unternehmen künftig sicherere Geschäfte abschließen und sich wieder mehr wie eine normale Bank verhalten will, kommt einem kulturellen Kurswechsel der gesamten Firmengeschichte gleich. "Ich bin davon überzeugt, dass Banken gestärkt aus der Krise hervorgehen werden. Die Konzentration auf das Kerngeschäft heißt immer auch, dass unrentabel arbeitende Geschäftsbereiche abgestoßen werden und das Unternehmen nicht nur schlanker, sondern auch wettbewerbsfähiger wird", sagt Jörg Urlaub, Vorstand des Vermögensverwalters Incam . Trotzdem zeigen sich Analysten skeptisch. Die negativen Vorzeichen führten an der Börse mittlerweile dazu, dass der Aktienkurs der Bank zwischenzeitlich um 17 Prozent auf 65,76 Dollar nachgab. Werden diese Kursverluste hinzugerechnet, verlor der Anteilsschein allein in diesem Jahr insgesamt etwa 70 Prozent seines Werts. (pte/jp)

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