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Verleumdung: Provider zahlt

In England haftet erstmals ein Provider für den Inhalt, den eine Kunde ins Netz stellte. Internet-Unternehmen kritisieren dies als folgenschweren Angriff auf die Publikationsfreiheit im weltweiten Datennetz. Ein Brite hatte einen Provider verklagt, da er sich durch Veröffentlichungen im Internet verleumdet sah.

In England haftet erstmals ein Provider für den Inhalt, den eine Kunde ins Netz stellte. Der Brite Laurence Godfrey hatte den Provider Demon verklagt, da er sich durch zwei Veröffentlichungen im Internet verleumdet sah. Das Unternehmen argumentierte, dass kein Provider alle Informationen kontrollieren könne, die Kunden ins Netz stellen. Zum Leistungsumfang gehöre nur die Bereitstellung des Internet-Zugangs, nicht die Kontrolle der Online-Inhalte. Dafür seien alleine die Kunden verantwortlich.

Godfrey warf der Firma vor, die Texte trotz mehrmaliger Aufforderung nicht aus dem Netz entfernt zu haben. Bevor das Verfahren vor dem obersten britischen Zivilgericht beginnen konnte, einigten sich die beiden Parteien außergerichtlich. Der Provider zahlt 15 000 Pfund (umgerechnet 48.000 Mark) und übernimmt zudem Godfreys Gerichtskosten in Höhe von 230.000 Pfund (736 000 Mark).

Andere Internet-Unternehmen übten heftige Kritik. Sie bezeichneten den Fall als folgenschweren Angriff auf die Publikationsfreiheit im weltweiten Datennetz. (PC-WELT, 31.03.2000, dpa/ hr)

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