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Vergleichstest: LC-Displays für PC und TV - Teil I

15.10.2003 | 17:23 Uhr |

Flach und verzerrungsfrei muss der Bildschirm sein - nicht nur am PC, sondern auch beim Fernsehen. Warum also nicht ein Gerät für beides nutzen? Der Test von fünf Kombidisplays verrät, womit Sie garantiert nicht in die Röhre gucken.

WELCHES DISPLAY IST DAS RICHTIGE FÜR SIE?

PRAGMATIKER Arbeit und Vergnügen verbinden - das ist Ihre Welt. Doch darf der Spaß nicht zu viel kosten - bei Ihnen siegt immer die Vernunft.
? 17 Zoll mit integriertem Tuner, eventuell extern nachgerüstet

DESIGNBEWUSSTER Der PC steht zwar noch auf dem Schreibtisch, aber nur, weil er von der Optik her nicht ins Wohnzimmer passt. Beim Film zwischendurch ist Ihnen ein gutes Bild genauso wichtig wie ein eleganter Auftritt. Kabelsalat ist verpönt, weil unästhetisch.
? 18 Zoll mit integriertem Tuner

PLATZSPARER Sie wollen das Display gelegentlich auch mit dem PC verbinden, dann aber auch nur, um Divx-Filme anzusehen. Die Hauptsache ist ein kompakter, hochwertiger Fernsehersatz, der kaum Platz braucht.
? 15-Zoll-LCD-TV im 16:9-Format

PC-Monitore müssen nicht gleich hässlich sein. Vor allem die Bildschirm-Zwitter, die sowohl als PC wie auch als Fernseher dienen, geben mit Ihrem edlen Design dem Arbeitszimmer eine exklusive Note. Wer nach einem Display mit Doppelfunktion sucht, hat allerdings wenig Auswahl, obwohl es "normale" Flachbildschirme in allen Größen und Preislagen gibt: Der Fachhandel bietet zahlreiche Flache als Fernseher an, und noch mehr Modelle für den PC - aber nur wenige Displays verbinden beide Welten. Wir haben fünf dieser Doppeltalente getestet: drei TVfähige LC-Displays und zwei, die mit einem externen TV-Tuner kommen.

Während herkömmliche Röhrenmonitore für den PC unter 19 Zoll kaum noch Eindruck machen, reichen 18 Zoll Bildschirmdiagonale bei den Flachen für den Schreibtisch längst aus - größere Geräte sind viel zu wuchtig und auch nicht nötig. Drei Gründe mahnen zur Zurückhaltung: Erstens bietet schon die 17-Zoll-Variante so viel Arbeitsfläche wie ein 19-Zöller in Röhrentechnik, und Displays mit 18 Zoll Bildschirmdiagonale machen 21-Zoll-Röhrengeräten Konkurrenz, weil deren Monitorgehäuse einen merklichen Teil des Bildschirms verdeckt - einige Zoll bleiben also ungenutzt.

Anders die Flüssigkristalldisplays, deren Bild bis zum Rand sichtbar ist. Zweitens sollten Sie wegen der zunehmenden Pixelgröße nicht über 18 Zoll gehen: Ab 17 Zoll beträgt die maximale Auflösung der Displays meist 1280 x 1024 Bildpunkte. Ein größerer Monitor hat dann nur klobigere Pixel, die gerade im Filmmodus stören. Und drittens machen Filme im Gegensatz zu einem 15-Zoll-PC-Monitor bereits auf einem guten 18-Zoll-Gerät richtig Spaß - mehr brauchen Sie nicht zu investieren.

Aber Kinofans aufgepasst: Das im PC-Bereich gewohnte 4:3-Displayformat verträgt sich schlecht mit dem DVD-üblichen 16:9-Seitenverhältnis. Rechner-Bildschirme zeigen solche Filme oben und unten mit Trauerrand. 16:9-Displays bringen zwar optimalen Filmgenuss, sind aber bei Computeranwendungen im Hintertreffen, die auf das gewohnte Format setzen. Wer also seinen Bildschirm für PC und Filmgenuss einsetzt, geht in der einen oder anderen Hinsicht einen Kompromiss ein.

Auf Reaktionszeit achten

Entwarnung gibt es in anderer Hinsicht: Früher waren LCDs ausgesprochen träge - alte Displays stellen schnell bewegte Bilder nicht mit der nötigen Geschwindigkeit dar. Die Folge: Der Tennisball dehnt sich über den halben Bildschirm, schnelle Filmsequenzen verschwimmen zu einem unscharfen Brei. Moderne Displays haben damit keine Probleme, die Reaktionszeit ist nur noch bei gebrauchten Geräten oder Auslaufmodellen bedeutsam. Die heute üblichen Reaktionszeiten von 40 Millisekunden oder weniger reichen für 25 Bilder pro Sekunde - genau die Vollbildrate für das in Europa gebräuchliche Fernsehformat. Wer ab und zu auch DVDs aus den USA betrachten möchte, braucht ein Display, das 30 Hz darstellen kann - eine Reaktionszeit von 33 Millisekunden reicht dafür. Welcher Flüssigkristall-Bildschirm für Sie der ideale ist, prüfen Sie am besten mit einigen Testbildern, die typischen Arbeitsund Unterhaltungssituationen am PC entsprechen.

Schnittstellen: Je mehr, desto besser

Besonders wichtig für die Doppelnutzung als TV- und PC-Display sind die Anschlüsse. Beim reinen PC-Einsatz kann man nicht viel falsch machen - VGA und die digitale Variante DVI stehen zur Auswahl. Als Fernseher braucht das Display zudem einen Antennenanschluss, und für DVD-Liebhaber am besten noch einen S-VHS-Eingang, über den sich ein DVD-Spieler direkt anschließen lässt. Auf der sicheren Seite sind Sie also, wenn ein Flachbildschirm Eingänge für VGA, DVI und S-VHS sowie eine Koaxialbuchse für das Antennensignal bietet. Achten Sie beim Kauf auch auf eine Fernbedienung: Fürs Briefeschreiben am PC ist sie nicht nötig, für den entspannten Filmgenuss vom Sofa aus hingegen ein Muss.

Optimal: Integrierter TV-Tuner

Ein normaler Flachbildschirm kann mit dem TV-Signal, das per Antennenkabel ins Haus kommt, nichts anfangen. Deshalb brauchen Sie zum Fernsehen ein Display mit eingebautem Fernseh-Empfangsteil, dem so genannten TV-Tuner. Ein direkt ins Display integrierter TV-Tuner ist die perfekte Lösung, weil man sich keine weiteren Gedanken mehr über den TV-Empfang zu machen braucht - Sie erwerben einen vollwertigen Fernseher.

Ein Display mit integriertem TV-Tuner muss auch den Ton per Lautsprecher ordentlich wiedergeben können, sonst vergeht der Spaß an Filmen. Gerade Bürogeräte stoßen hier aber schnell an ihre Grenzen, weil sie weder die Membranoberfläche noch das Gehäusevolumen bieten, das in Lautsprecherboxen satte Bässe erzeugt. Nur Probehören bewahrt davor, dass auf der Mattscheibe große Dinosaurier und Aliens enttäuschend mickrig klingen.

Externer Tuner für Normal-TFTs

Wer seinen alten Flachbildschirm behalten will oder schon ein perfekt passendes Display gefunden hat, dem nur der TV-Tuner fehlt, der muss sich keine grauen Haare wachsen lassen. Für diesen Fall gibt es eine - bis auf den etwas größeren Platzbedarf - fast perfekte Lösung: einen externen TV-Tuner, der LCD oder Röhrenmonitor in einen Fernseher verwandelt. Der TV-Tuner wird einfach an einen freien Signaleingang des Monitors angeschlossen. Die Kombination aus Display und Tuner lässt sich dann so komfortabel bedienen wie ein Fernseher - auch eine Fernbedienung ist dabei.

Preiswerter mit TV-Karte

Allerdings sind externe TV-Tuner teuer, und Displays mit integriertem TV-Tuner sind kostspieliger als ihre Fernseh-abstinenten Pendants. Billiger tut's eine in den - hoffentlich flüsterleisen - PC eingebaute TV-Tuner-Karte. Solche Erweiterungen kosten nicht die Welt, etwa die Hauppauge Win TV GO (Preis: rund 55 Euro, www.hauppauge.de ) oder die Pinnacle Studio PCTV (Preis: rund 60 Euro; www.pinnaclesys.de ).

Außerdem besitzen die Karten einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Fernseher: Mit geeigneter Software lässt sich eine Sendung aufzeichnen und noch während der Aufnahme zeitversetzt wiedergeben (Timeshift-Funktion). Selbst Videotext macht mehr Spaß: Nach 30 Sekunden hat der Rechner alle Seiten gespeichert, danach blättert man ohne merkliche Verzögerung in den Informationen. Das ist so bequem, dass selbst Videotext-Muffel nach kurzer Zeit für Lottozahlen oder ein paar Nachrichten nicht mehr ins Internet gehen, zumal Videotext-Infos kostenlos mit dem TV-Signal ins Haus kommen.

Testergebnisse

Neben der Ausstattung sind jedoch vor allem die Bildqualität als PC- und Fernsehmonitor für den Kauf entscheidend. Das Benq FP791 zeigte in allen Tests ein ausgesprochen kontrastreiches und farbenfrohes Bild und erreichte so die besten Messwerte in diesen Bereichen. Erfreulich groß auch der horizontale Blickwinkel im Gegensatz zum recht engen vertikalen. Das Display benötigt die AV-Box V2 als externen Tuner - ein Nachteil, der dadurch fast aufgewogen wird, dass das Display ihn gleich mit Strom versorgt. Aufgrund der sehr guten PC- und guten TV-Bildqualität erreicht das Benq-Display die höchste Gesamtwertung im Testfeld. Der Testsieger kostet inklusive AV-Box rund 900 Euro.

Der kompakte Orion TV-15002 SI arbeitete im TV-Betrieb ordentlich, hat aber aufgrund des 16:9-Formats Nachteile im PC-Betrieb. Helligkeitsverteilung und Farbwerte lagen am unteren Ende in unserem Testfeld. Der vertikale Blickwinkel ist etwas knapp geraten - Vorsicht bei der Aufstellung des rund 1100 Euro teuren Gerätes ist geboten!

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