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Google mit neuen CAPTCHAs gegen Bots

20.04.2009 | 15:25 Uhr |

Google will die Anmeldeformulare für seine Dienste mit einem neuen Bildertest absichern. Um Menschen und automatische Scripte voneinander zu unterscheiden, sollen Benutzer angeben, wo bei einem gedrehten Bild oben und unten ist.

Kostenlose Web-Dienste, vor allem Web-Mail, erfreuen sich in Spammer-Kreisen weiterhin großer Beliebtheit. Spammer generieren mit automatischen Scripten viele neue Benutzerkonten, die sie zum Versand von Spam-Mails nutzen. Um diesen Missbrauch einzudämmen, setzen verschiedene Anbieter, etwa Microsoft Live Hotmail oder Google Mail, auf so genannte CAPTCHAs. Doch auch diese Hürden werden immer wieder von Scripten genommen und so will Google nun mit zufällig gedrehten Bildern Menschen von Maschinen unterscheiden.

Als CAPTCHA (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) dienen üblicherweise verzerrte Abbildungen von Schriftzeichen. Die Google-Forscher Rich Gossweiler, Maryam Kamvar und Shumeet Baluja haben nun einen anderen Ansatz untersucht. Sie setzen auf gedrehte Bilder, die wieder in eine aufrechte Position gedreht werden müssen. Dabei kommen kreisrunde Bildausschnitte zum Einsatz.

Ihre Forschungsarbeit "What’s Up CAPTCHA? A CAPTCHA Based On Image Orientation" wollen sie auf der diesjährigen Konferenz WWW 2009 des W3C-Konsortiums vorstellen, die in dieser Woche in Madrid stattfindet. Darin weisen die Forscher darauf hin, dass die verwendeten Bilder sorgfältig ausgewählt werden müssen. Sie unterscheiden Bilder, deren Orientierung sowohl von Menschen wie von Programmen erkannt werden kann, Bilder, die für Computer schwer analysierbar sind und solche, die auch für Menschen nicht eindeutig sind.

So eignen sich etwa Bilder, die deutlich erkennbare Gesichter enthalten, nicht für diesen Zweck. Es gibt bereits etliche Computer-Programme zur Gesichtserkennung, die Augen, Nase und Mund im Bild lokalisieren und so die Orientierung eines Bildes feststellen könnten.

Ebenso wenig geeignet sind Bilder, die Text enthalten. Sie können mit OCR-Software (Optical Character Recognition) analysiert werden. Auch Landschaftsbilder mit klar erkennbarer Horizontlinie kommen als CAPTCHA nicht in Betracht. Für Menschen problematisch sind eher abstrakte Bilder oder allgemein solche, bei denen mehrere natürliche Orientierungen in Frage kommen.

Gut geeignet sind hingegen detailreiche Bilder, deren Motive für ein Computer-Programm schwer von Hintergrund zu trennen sind. Auch der Hintergrund sollte keine Hinweise liefern, wo oben und unten ist. Die Forscher haben in einer Feldstudie untersucht, wie Menschen mit einem solchen Bildertest klar kommen. Dabei haben sie festgestellt, dass Menschen damit oft weniger Schwierigkeiten haben als mit traditionellen CAPTCHAs, sofern die verwendeten Bilder sorgfältig ausgewählt wurden. Zudem ist ein derartiger Test weniger von Kenntnissen der lateinischen Schrift abhängig.

Ab wann solche Verfahren bei Google oder anderswo eingeführt werden, ist noch offen. Wenn es jedoch zutrifft, dass Spammer für die Lösung von CAPTCHAs ohnehin auf Menschen setzen, dürften auch die neuen Tests wenig fruchten.

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