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Verdacht auf Preisdumping bei T-DSL

05.02.2001 | 15:36 Uhr |

Die Deutsche Telekom sieht sich einem weiteren Verfahren bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post gegenüber. Denn es besteht der Verdacht, dass die Telekom bei ihren DSL-Tarifen Preisdumping betreibt.

Die Deutsche Telekom sieht sich einem weiteren Verfahren bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post gegenüber. Denn es besteht der Verdacht, dass die Telekom bei ihren DSL-Tarifen Preisdumping betreibt.

Verschiedene Presseagenturen meldeten heute, dass die Behörde am Freitag ein Verfahren eingeleitet habe. Mit einer Entscheidung sei bis zum zweiten April zu rechnen.

Der Bundesverband der regionalen und lokalen Telekommunikationsunternehmen (Breko) hatte sich mit einer diesbezüglichen Bitte an die Regulierungsbehörde gewandt. Wie Herr Rainer Lüddemann, der Geschäftsführer des Breko, gegenüber PC-WELT telefonisch bestätigte, bestehen erhebliche Gründe für die Vermutung, dass die Telekom mit ihren DSL-Preisen keineswegs kostendeckend kalkuliert. Stattdessen sollen durch gezielt niedrig gehaltene Preise Mitbewerber vom DSL-Markt ferngehalten werden.

Wie der Verband in ausgiebigen Untersuchungen festgestellt hat, wäre ein DSL-Anschluss erst bei einer monatlichen Gebühr von mindestens 50 Mark kostendeckend. Gewinne könnten bei so einem Preis aber noch nicht erzielt werden. Die Telekom berechnet derzeit für einen DSL-Anschluss 39,89 Mark in Kombination mit einem bestehenden T-Net-Anschluss, 19,90 Mark bei einem ISDN-Vertrag und rund 14,90 Mark bei ISDN XXL. Teilweise sind diese Verträge mit einer Mindestvertragslaufzeit gekoppelt.

Bereits vor drei Monaten hatte sich der Breko deshalb an die Regulierungsbehörde gewandt. Nachdem nun das Vorprüfungsverfahren abgeschlossen wurde, sah die Behörde den Vorwürfe des bewussten Preisdumpings als so schwerwiegend an, dass sie sich entschloss, ein förmliches Verfahren einzuleiten. Die Vorprüfung hatte sich unter anderem deshalb so lange hingezogen, weil die Regulierungsbehörde die neue Preisgestaltung der Telekom nach dem Ende des Einführungs-Aktionspreises zum 31. Dezember abwarten wollte.

Ein Indiz dafür, dass die Telekom mit ihren Niedrigstpreisen nur versuche, andere Wettbewerber vom DSL-Markt fern zu halten, seien die großen Probleme bei der Ausführung der DSL-Anschlüsse. Denn seit Monaten hat sich ein enormer Überhang an Anträgen auf Anschluss eines DSL-Zugangs aufgestaut. Die Telekom könne also die DSL-Anschlüsse gar nicht so schnell realisieren, sondern nur die Kunden an sich binden.

Die Telekom hatte als Begründung für ihre günstigen Preise angeführt, dass sie ja erst den Markt erschließen müsse und deshalb Anfangsverluste normal seien. Doch der Verband hält dagegen, dass die Nachfrage bereits so enorm sei, dass man von der Notwendigkeit, den Markt erst erschließen zu müssen, nicht mehr sprechen könne.

Anfängliche Gespräche zwischen dem Breko und der Telekom hatten zu keinem für den Verband zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Der Breko vertritt die regionalen Telekommunikationsunternehmen Deutschlands. (PC-WELT, 05.02.2001, hc)

PC-WELT: Das große T-DSL Special

Telekom muss Pauschalpreis anbieten (PC-WELT Online, 31.01.2001)

Der steinige Weg zu T-DSL (PC-WELT Online, 24.01.2001)

T-DSL: Warten auch Sie? (PC-WELT Online, 22.01.2001)

DSL-Anbieter verklagt (PC-WELT Online, 19.01.2001)

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