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Katastrophale Arbeitsbedingungen in der Handyproduktion

Das Projekt makeITfair kritisiert die Arbeitsbedinungen in sechs asiatischen Zulieferbetrieben von Handyherstellern. Sie liefern Bauteile für Nokia, Samsung, Motorola, LG, Sony Ericsson und das Apple iPhone. Die Kritik geben die Zulieferer an die großen Hersteller weiter.

Das Projekt makeITfair erhebt schwere Vorwürfe gegen Handyhersteller. Die Unternehmen würden Arbeitsrechte verletzen und ihre Mitarbeiter unter unwürdigen Arbeitsbedingungen arbeiten lassen. Neun Verbraucherschutz- und Umweltorganisationen aus mehreren europäischen Ländern beteiligen sich an dem von der EU geförderte dreijährigen Projekt. Sie untersuchten die Zustände in sechs Zulieferfabriken in Asien. Diese stellen Bauteile für Nokia, Samsung, Motorola, LG, Sony Ericsson und das Apple iPhone her. makeITfair zufolge verletzen die Arbeitsbedingungen nationale Gesetze, Konventionen der internationalen Arbeitsorganisation und selbst die eigenen Verhaltenskodizes der Handykonzerne.

Nach den Erkenntnissen von makeITfair hantieren Arbeiter "ohne Schutzkleidung mit Chemikalien". Außerdem leisten die Angestellten dort "unmenschlich viele Überstunden, weil der normale Stundenlohn ihre Grundbedürfnisse nicht deckt. Fehler bei der Arbeit würden gnadenlos bestraft. Die Hersteller durften sich zu den Vorwürfen äußern. Das niedrige Lohnniveau in den Zulieferfabriken wurde von keinem der Unternehmen bestritten. Dabei gehen mit den Niedriglöhnen weitere Probleme einher, die mit den Verhaltenskodizes der Auftraggeber in Konflikt stehen. Wegen der vielen Überstunden würden Arbeiter während der Produktion einschlafen und Fehler begehen. Zur Bestrafung werde der ohnehin niedrige Lohn weiter gekürzt.

Pro Sekunde werden 36 Handys produziert, etwa die Hälfte davon entfällt auf China. Der Großteil werde von Frauen im Alter zwischen 16 und 30 Jahren hergestellt. Das hohe Arbeitstempo zwinge Arbeiter, ohne Schutzkleidung zu arbeiten, obwohl sie mit Chemikalien hantieren. In vielen Fällen seien sie nicht ausreichend über die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen und den richtigen Umgang mit den Substanzen aufgeklärt. Die Arbeiter in Asien haben kaum eine Möglichkeit, ihre Situation zu verbessern, sagte Cornelia Heydenreich von Germanwatch, einer der beiden deutschen Trägerorganisationen von makeITfair. Unabhängige Gewerkschaften seien zumeist verboten.

Die Zulieferfirmen geben die Schuld an den großen Handyhersteller ab. "Einerseits sollen die Zulieferer die Kosten reduzieren. Andererseits sollen sie die Arbeitsbedingungen und Umweltstandards bei der Produktion verbessern, aber diese Investitionen kosten Geld", heißt es von seiten des Projekts. Die Fabriken seien nicht in der Lage, diesen Anforderungen zu genügen. Es falle in die Verantwortlichkeit der Handyhersteller, Anreize für soziale und ökologische Investitionen zu schaffen, statt die bisherigen Einkaufspraktiken weiterzuführen. Den ausführlichen Bericht veröffentlicht makeITfair auf seiner Website im PDF-Format .

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