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Verbraucherschützer: Handel ignoriert häufig Altersbeschränkungen für Videospiele

17.08.2007 | 09:15 Uhr |

Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW hat ergeben, dass der Handel häufig Spiele mit Alterskennzeichnung auch an Kinder verkauft, die die Titel gar nicht erst erwerben dürften.

Die Verbraucherzentrale NRW hat die Alterskennzeichnung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ( USK ) auf die Probe gestellt. Die Alterskennzeichnung soll dafür sorgen, dass der Handel Videospiele nur an die Personen verkauft, die die Altersvorgabe erfüllen.

Die Verbraucherschützer schickten zwei Jugendliche im Alter von 14 und 16 Jahren zu Testkäufen in insgesamt 15 Geschäfte in Köln und im Rhein-Sieg-Kreis. Die beiden Testkäufer versuchten jeweils die Playstation-Spiele „Canis Canem Edit“ (USK: ab 16), „Splinter Cell“ (ab 16), „Mortal Kombat“ (ab 18) und „Scarface“ (ab 18) zu erwerben.

Die 16jährige Testkäuferin konnte in 9 von 15 Fällen die ab 18 Jahren freigegebenen Spiele erwerben. Insgesamt war die Schülerin in vier von sieben getesteten Elektronikgeschäften erfolgreich. Noch erfolgreicher war die Schülerin in den vier getesteten Kaufhäusern. Hier verweigerte nur eine Verkäuferin den Verkauf der ab 18 Jahren freigegebenen Spiele. Bei den vier überprüften Einzelhändlern konnte die Jugendliche bei zwei Händlern erfolgreich die Spiele erwerben.

Die Bilanz bei den Testkäufen des 14jährigen Schülers: Er konnte in drei von 15 Geschäften die Spiele erwerben. Alle überprüften Elektronikgeschäfte verweigerten den Verkauf. Zwei der vier Kaufhaus-Filialen dagegen nicht. In einem Kaufhaus wurde ein Kunde darauf aufmerksam, dass die Verkäuferin im Begriff war dem Jugendlichen einen ungeeigneten Titel zu verkaufen und drohte damit die Verkäuferin zu verklagen, wodurch der Verkauf letztendlich verhindert wurde. Auch bei zwei der vier überprüften Einzelhändler konnte der Jugendliche die ab 16 oder 18 Jahren freigegebenen Titel erwerben. In einem Fall entschuldigte sich eine Verkäuferin damit, dass sie sich nicht so gut mit Spielen auskenne.

Die Verbraucherzentrale NRW lobt dagegen die Ergebnisse bei den Testkäufen in zwei Filialen einer PC-Spiele-Kette. „Ein zusätzlicher firmeneigener Hinweis auf jeder Packung deutete bereits darauf hin, dass die Kette den Jugendschutz ernst nimmt: Neben den mit etwa einem Quadratzentimeter meist sehr klein geratenen USK-Angaben, weisen große Aufkleber sowohl Verkäufer als auch Kunden auf die jeweilige Altersfreigabe hin“, so die Verbraucherschützer, die darauf hin weisen, dass dieses System im Ernstfall den Händler auch viel Geld spare, weil nach Paragraph 28 des Jugendschutzgesetzes ein Händler mit bis zu 50.000 Euro Strafe belegt werden kann, wenn er Jugendlichen ein Spiel ab 18 verkauft.

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