57402

Verbot von Gewaltspielen sinnlos?

26.10.2000 | 15:35 Uhr |

Spätestens seit dem Massaker in Littleton im US-Bundesstaat Colorado sorgen Gewalt verherrlichende Computerspiele für Diskussionen. Inwiefern eine Indizierung solcher Spiele sinnvoll ist, wird derzeit in Nürnberg diskutiert.

Spätestens seit dem Massaker in Littleton im US-Bundesstaat Colorado sorgen Gewalt verherrlichende Computerspiele für Diskussionen. Spiele wie "Doom" oder "Quake" gehörten zu den Lieblingsspielen der zwei Amokläufer, die im April 1999 in einer Schule 15 Menschen erschossen hatten. In Deutschland sind solche Spiele für Jugendliche und Kinder verboten.

Vor einem solchen Verbot sind oft aber schon zehntausende Exemplare eines Spiels über den Ladentisch gegangen - im Fall des blutigen Spiels "Quake III" waren es gar 120.000.

"Wir dürfen erst indizieren, wenn die Produkte auf dem Markt sind", erklärte die Vorsitzende Elke Monssen-Engberding bei der Jahrestagung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Nürnberg. "Die Spielfreaks wissen natürlich vorher, wann welche Extremspiele rauskommen und die Verleger sind clever genug, die Erstauflage so hoch zu bemessen, dass es trotz Indizierung in der Klasse klingelt", meinte der Leiter der nordrhein-westfälischen Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Jürgen Hilse. Die Prüfer erwischen nur die Spitze des Eisberges.

Viele Spiele werden auch illegal über Raubkopien verbreitet. Der Branche entsteht dadurch ein Millionenschaden. Der Geschäftsführer des Verbandes Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD), Hermann Achilles, beziffert den jährlichen Raubkopien-Schaden auf 500 bis 800 Millionen Mark.

Nicht alle Computerspiele seien brutal und aggressionsfördernd, betonen Verbandsvertreter und Jugendschützer. "Viele Spiele schulen das strategische Denken, den Umgang mit Stress-Situationen und die Konzentration", so Jugendschützer Hilse.

Bei Gewaltspielen hängt die Wirkung auch vom familiären Umfeld und der Zeit vor dem Bildschirm ab. "Je realer und glaubwürdiger ein Spiel ist, umso eher findet eine Übertragung in die Wirklichkeit statt", meinte Sozialpädagogin Heike Esser. Ein Negativbeispiel seien die so genannten Ego-Shooter, bei denen der Spieler quasi selbst zum Akteur wird. Szenerie, Waffen und Geräusche wirkten sehr realistisch.

Gegen solche Spiele per Indizierung vorzugehen sei auch sinnvoll, wenn sie schon vergriffen seien, so Jugendschützer Hilse. Ein Verbot diene zumindest als Signal für die Hersteller. Am effektivsten könnten allerdings die Eltern ihre Kinder vor den Folgen von Gewalt verherrlichenden Computerspielen schützen. Sie müssen sich nach Einschätzung der Experten oft einfach mehr in den Alltag ihrer Zöglinge einmischten. (PC-WELT, 26.10.2000, dpa/ mp)

Soldier of Fortune: Brutal ? (PC-WELT Online, 13.07.2000)

Doom 3: Noch grausamer (PC-WELT Online, 09.06.2000)

Aggressiver nach Ballerspiel? (PC-WELT Online, 27.04.2000)

Brutales Ballerspiel: Lehrer gefeuert (PC-WELT Online, 27.03.2000)

0 Kommentare zu diesem Artikel
57402