1816849

Verbaut große Elektrokette Störsender gegen "Showrooming"?

23.08.2013 | 12:34 Uhr |

RTL will eine Geschichte gelüftet haben, die für ordentlich Wirbel sorgen dürfte: Demnach soll es in großen Elektronikketten Störsender geben, mit denen die Internetverbindung der Kunden gekappt wird.

Nach einem Bericht des TV-Senders RTL hat ein großer Elektronikmarkt in seinen Filialen Störsender einbauen lassen, um seine Kunden am direkten Preisvergleich mithilfe ihrer Handys zu hindern. Ein Verkaufsleiter eines namentlich nicht genannten Retailers hat demnach in der Sendung "Nicht mit uns! Die große Schnäppchen-Lüge" vom 19. August ( hier ansehen, Teil 3 ) ausgesagt, dass die Firmenleitung illegale Handy-Störsender in Filialen einbauen habe lassen, um die Internetverbindung von Smartphones und Tablets zu blockieren.

Damit soll dem Phänomen " Showrooming " Einhalt geboten werden. Zu schaffen macht vielen Einzelhändlern und Flächenmärkten nämlich die Angewohnheit vieler Kunden , immer wieder vor den Produktregalen ihre Handys zu zücken. Eine Eingabe des Produktnamens erlaubt ihnen dabei per Browser oder per App eine schnelle Suche nach preiswerteren Angeboten in Online-Shops – zum Beispiel, um die versprochenen und beworbenen Schnäppchenpreise zu überprüfen.

Installation unter falschem Vorwand

In der RTL-Sendung gibt der Mann, der als Verkaufsleiter einer Filiale für eine der großen Handelsketten arbeitet, an, dass in jeder der Filialen seines Arbeitgebers bis zu fünf Störsender angebracht seien. Diese legen den Mobilfunk und somit den Empfang des Mobiltelefons lahm.

Die Sender sollen dabei von Handwerkern installiert worden seien, meist unter falschem Vorwand ("Wartung am Kamerasystem"). Nicht einmal der jeweilige Marktleiter soll davon etwas wissen. Die Entscheidung über die Störsender treffe laut dem Informanten die Geschäftsleitung der Elektronikmarktkette. Welche Elektronikkette die Smartphones ihrer Kunden blockiert, bleibt nach der Sendung aber unklar.

Störsender sind illegal

Ob die Kunden überhaupt etwas von Störsendern merken, ist fraglich, da viele Elektrofachmärkten wie Media Markt, Saturn, ProMarkt, Expert oder Euronics in fensterlosen Hallen mit Metallfassade untergebracht oder unterirdisch angelegt sind. Deswegen herrschen dort von Haus aus schlechtere Mobilfunkverbindungen – eine elegante Möglichkeit für die Betreiber, gar keine Gerüchte über irgendwelche Störsender aufkommen zu lassen.

Grundsätzlich gilt, dass das Anbringen und Verwenden von Störsendern in der EU für Privatpersonen verboten ist, nur staatliche Instanzen dürfen diese nach Zustimmung der Bundesnetzagentur – etwa für die Terror- und Verbrechensbekämpfung – nutzen. Im Missbrauchsfall drohen erhebliche Strafen, da solche Sender auch das Absetzen eines Notrufs verhindern (Channelpartner).


0 Kommentare zu diesem Artikel
1816849