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VW zeigt Hybrid-Tiguan mit Fußgängererkennung und Gestensteuerung im Golf

18.09.2015 | 13:06 Uhr |

Volkswagen zeigt auf der IAA einen Tiguan, der bis zu 50 Kilometer nur mit Strom fährt, alle gängigen Smartphones integriert und vor Fußgängern bremst. Im ebenfalls ausgestellten Golf R Touch kann man die innovative Gestensteuerung ausprobieren.

Studie: Tiguan GTE

Volkswagen nutzt die IAA 2015 vor allem zur Präsentation seiner Elektro- und Plugin-Hybrid-Offensive. So steht beispielsweise nicht nur der der VW Passat GTE auf dem Messestand, sondern auch die neue zweite Generation des Tiguan und zwar unter anderem als Plugin-Hybrid Tiguan GTE. Bei der GTE-Variante handelt es sich derzeit aber noch um eine nicht kaufbare Studie.
 
Tipp : Eine App für iOS und Android hilft beim Besuch des VW-Messestands auf der IAA.
 
Der Tiguan GTE soll bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren können soll. Der Plug-In-Hybridantrieb liefert 160 kW/218 PS Systemleistung. Sowohl der 1.4 TSI-Motor mit 115 kW als auch der Elektromotor befinden sich über der Vorderachse. Ausschließlich via Elektromotor angetrieben, ist der Tiguan laut VW bis zu 130 km/h schnell. Alternativ lässt sich der Elektromotor auch als Booster verwenden: Ein spezieller GTE-Modus, der durch einen Druck auf die gleichnamige Taste eingeschaltet wird, soll den Wagen mit maximaler Leistung besonders sportlich bewegen.

Tiguan GTE
Vergrößern Tiguan GTE

Kraft aus der Sonne tanken

Der Tiguan GTE ist zudem mit einem Solarmodul ausgerüstet, das regenerativ erzeugten Strom in die Batterie einspeist und so jährlich bis zu 1000 zusätzliche elektrisch und damit emissionsfrei gefahrene Kilometer ermöglichen soll (in Deutschland 500 km, in Südeuropa sollen es lauf VW 800 bis 1000 km sein).
 
Die Plug-In-Variante verbraucht im theoretischen Optimalfall 1,9 l/100 km. In der Praxis fällt der Verbrauch wie bei allen Plug-In-Fahrzeugen sicherlich deutlich höher aus – nämlich dann, wenn die Akkuladung aufgebraucht ist und der Benzinmotor hauptsächlich den Antrieb übernimmt.

VW-Konzern-Chef Martin Winterkorn probierte in Halle 11 den neuen BMW 7er aus.
Vergrößern VW-Konzern-Chef Martin Winterkorn probierte in Halle 11 den neuen BMW 7er aus.

Tiguan gibt sich anschlussfreudig
 
Der neue Tiguan bietet in allen Versionen, also nicht nur als GTE, Konnektivitäts-Features wie „Automatsche Unfallmeldung“, Online-Verkehrs- und Parkplatzinfos und Fahrzeugzustandsbericht. In das Infotainmentsystem können dank „App-Connect“ laut VW alle aktuellen Apple- und Android-Smartphones integriert werden. Tablets sollen sich mit der App „Media Control“ einbinden lassen.

App-Connect

App-Connect umfasst MirrorLink für Android, Apple Carplay und Android Auto von Google (bei der VW-Tochter Seat heißt die Entsprechung zu App-Connect Full Link). Daneben stehen im Tiguan die bereits aus GTI, GTD und Passat bekannten Car-Net-Dienste wie „Guide & Inform“ (Stauwarnungen, Parkplatzsuche und Tankstellen-Recherche) zur Verfügung.
 
Erstmals bietet Volkswagen darüber hinaus in einem seiner Fahrzeuge den Online-Dienst „Security & Service“ an; dabei kann aus dem Wagen heraus in den verschiedensten Situationen via Callcenter Unterstützung angefordert werden kann. Hier integriert sind unter anderem ein Online-Pannenruf, die automatische Unfallmeldung, die für die Kundenbindung wichtige Service-Terminplanung (Wartungstermine für den Tiguan mit der VW-Vertragswerkstatt vereinbaren – die freien Werkstätten dürften sich über diese Funktion kaum freuen) und die Abfrage des Fahrzeugzustandsberichtes. Je nach gebuchtem Paket können via Smartphone darüber hinaus zum Beispiel der Fahrzeugstatus und die Parkposition abgefragt oder die Standheizung aktiviert werden.

3D-Brillen-Erlebnis am VW-Stand
Vergrößern 3D-Brillen-Erlebnis am VW-Stand

Sicherheits- und Fahrerassistenzsysteme im Tiguan  
Nicht nur beim GTE, sondern auch bei den ab 2016 erhältlichen Verbrennerversion des Tiguan sind serienmäßig ab der Grundausstattungslinie Trendline verschiedene Sicherheitssysteme vorhanden.
 
Aktive Motorhaube
 
Die „Aktive Motorhaube“ hebt die Motorhaube an, falls ein Fußgänger oder Radfahrer bei einem Crash damit in Kontakt kommt. Dadurch wird der Abstand zwischen dem hartem Motor und der vergleichsweise weichen Haube vergrößert und so die Intensität gefährlicher Kopfverletzungen reduziert.

Golf GTE Sport als Studie
Vergrößern Golf GTE Sport als Studie

Front Assist, City-Notbremsfunktion, Lane Assist
 
Ebenfalls serienmäßig sind das Umfeldbeobachtungssystem Front Assist inklusive City-Notbremsfunktion mit Fuß­gängererkennung und sowie das Kamera-basierte Spurhaltesystem Lane Assist. Eine Fußgängererkennung gehört auch zur Ausstattung: Registriert das radarbasierte Front Assist des Tiguan eine auf die Fahrbahn laufende Person, warnt das System; in einem zweiten Schritt bremst es den Wagen ab.
 
Ein ACC beziehungsweise ein Notbremsassistent für höhere Geschwindigkeiten gehören dagegen nicht zur Serienausstattung, sondern steht erst ab der höherpreisigen Ausstattungslinie Highline zur Verfügung. Ist das SUV mit DSG ausgestattet, erledigt der Wagen mit ACC auch den Stop-and-Go-Verkehr automatisch (Stauassistent). Der Fahrer muss hierbei aber nach wie vor die Hände am Lenkrad behalten.

Passat GTE an der Ladestation
Vergrößern Passat GTE an der Ladestation

Optional bietet VW für den neuen Tiguan zudem Side Assist (Spurwechsel­assistent), den proaktive Insassenschutz (erkennt erhöhtes Unfallpotenzial, strafft daraufhin die vorderen Gurte und fixiert präventiv Fahrer und Beifahrer; offene Fenster und Schiebedach werden bis auf einen Spalt geschlossen), den Emergency Assist (erkennt, dass der Fahrer nicht mehr reagiert und bremst den Wagen bis zum Stillstand ab) und Area View (360-Grad-Rundumblick mittels vier Kameras) an.

Infotainmentsysteme für den neuen Tiguan
 
Serienmäßig ist der Tiguan in der Ausstattungs­linie „Trendline“ mit dem Radiosystem „Composition Touch“ (5,0-Zoll-Monochrom-Touchscreen) ausgestattet. Im Tiguan Comfortline und Highline kommt dagegen das Radiosystem „Composition Colour“ (5,0-Zoll-Farb-Touchscreen) zum Einsatz. Gegen Aufpreis steht auch das das ­Radiosystem „Composition Media“ (8,0-Zoll-Farb-Touchscreen) zur Verfügung. Und für noch mehr Geld verkauft VW auch für den Tiguan das Discover Media, das wir im VW Polo ausgiebig getestet haben. Und für richtig viel Geld gibt es auch das sehr gute Discover Pro, das im Test sowohl im VW Passat als auch im Golf GTD überzeugen konnte.

Beide Male ist der Bildschirm 8 Zoll groß. Alle Systeme gehören zum Modularen Infotainmentbaukasten der zweiten Generation, also MIB II.
 
Für das kabellose Aufladen des Smartphones auf Induktionsbasis bietet VW eine Koppelbox an (nach QI-Standard). Diese wird aber nicht bereits zum Verkaufsstart des neuen Tiguans angeboten werden. Sondern VW wird sie erst zu einem späteren Zeitpunkt in sein Angebot aufnehmen.
 
Das Kombiinstrument kann gegen Aufpreis als digitales Active Info Display wie im Passat ausgeführt werden. Das ist dann wie auch von Passat und Audi TT 12,3 Zoll groß.
 
Der Tiguan bietet gegen Aufpreis zudem das aus dem Passat bekannte ausklappbare Head-Up-Display. Das sieht zwar nicht so schick aus wie ein an die Windschutzscheibe geworfenes HUD – wie man es zum Beispiel von BMW kennt – erfüllt aber vollauf seinen Zweck und ist nun einmal preiswerter als die Premiumlösung.
 
Der neue Tiguan ist übrigens das erste SUV von VW, das auf dem neuen Modularen Querbaukasten MQB basiert. Der Tiguan wächst damit in der Länge (4.486 mm ist das neue Modell 60 mm länger; in der Breite misst der Neue 1.839 mm; das sind 30 mm mehr als zuvor), bietet mehr Platz als der Vorgänger und wiegt rund 50 Kilogramm weniger. VW verkauft die neue Tiguan-Generation ab April 2016.

Besucher des VW-Messestand in Halle 3.0 können sich ihr Facebook-Profil mit allen wichtigen Merkmalen in Form einer Social Aura zusammenstellen lassen. Damit soll erstmals die eigene, digitale Persönlichkeit mit einem Bild sichtbar gemacht. Sagt zumindest VW...
Vergrößern Besucher des VW-Messestand in Halle 3.0 können sich ihr Facebook-Profil mit allen wichtigen Merkmalen in Form einer Social Aura zusammenstellen lassen. Damit soll erstmals die eigene, digitale Persönlichkeit mit einem Bild sichtbar gemacht. Sagt zumindest VW...

VW plant 20 weitere E-Modelle

Dabei soll es aber nicht bleiben, VW-Konzernchef Winterkorn kündigte am Vorabend der IAA auf der VW-Group-Night „On the move“ bis zum Jahr 2020 20 neue Plugin-Hybrid- und Elektro-Autos aus der VW-Gruppe an. Und forderte angesichts der schwierigen Ausgangssituation für Hybrid- und Elektro-Autos vom Staat prompt Hilfestellung für die Elektro-Mobilität.
 
Die Politik soll es also richten. Und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Auf gut Deutsch: Steuerliche Anreize, Zuschüsse und zusätzlich Privilegien im Straßenverkehr beispielsweise bei Parkplätzen und der Benutzung von Busspuren.

Golf R Touch

Auf der IAA steht auch ein alter Bekannter von der CES in Las Vegas: Der Golf R Touch. Dieser Wagen ist derzeit noch nicht zu kaufen. Seine Besonderheit ist die Gestensteuerung. Ähnlich wie beim neuen BMW 7er können Sie im Golf R Touch mit bestimmten Gesten bestimmte Funktionen auslösen. Mit einer nach hinten schiebenden Handbewegung öffnen Sie zum Beispiel das Schiebefenster. Auch das leiser und lauter Stellen des Radios kann per Gesten erfolgen – per Touchslider.
 
Das Einstellungsmenü des Golf R Touch verfügt darüber hinaus über ein 3D-Modell des Wagens, bei dem man die Einstellungen zu einem bestimmten Bauteil einfach dadurch aufruft, indem man das Bausteil auf dem Bildschirm antippt. 
 
MQB und MLB

In der Volkswagengruppe ist die Entwicklung wesentlicher Systemkomponenten zwischen VW und Audi aufgeteilt, wie uns Dr. Volkmar Tanneberger, Leiter Elektrik- und Elektronik-Entwicklung in der Volkswagen-Gruppe, erklärt. VW entwickelt für Antrieb und Rahmen den Modularen Querbaukasten MQB, den Audi auch für A1, A3 und Q1 und Q3 übernimmt. Die Ingolstädter wiederum entwickeln den Modularen Längsbaukasten MLB. Den VW wiederum für Touareg und Phaeton verwendet.

Modularer Infotainment-Baukasten MIB II
 
Der Modulare Infotainment-Baukasten MIB bildet die Basis des Infotainment- und Navigationssystems der Volkswagengruppe. Es gibt den MIB II in drei Ausführung: Als Top-Modell, das von Audi entwickelt wird. Als Standard-Ausführung, für die VW die Entwicklung übernommen hat. Und als Einstiegsvariante, bei der Skoda die Federführung hat. Wobei jede Marke, also zum Beispiel auch Seat, am MIB natürlich Anpassungen nach ihren besonderen Interessen vornimmt. Übrigens: Porsche ist derzeit noch ein Sonderfall, weil die Sportwagenmarke erst vor vergleichsweise kurzer Zeit in die VW-Gruppe aufgenommen wurde – nach dem missglückten Übernahmeversuch von VW durch Porsche unter Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Seat
 
Seat zum Beispiel bietet mit Full-Link eine augenscheinlich weit fortgeschrittene Integration von Apple Carplay, Android Auto und Mirrorlink an – Full Link kann man am IAA-Messestand von Seat in Halle 3 ausprobieren. Und mit der Gestensteuerung bietet Seat eine pfiffiges zusätzliches Bedienkonzept, bei dem im Unterschied zur Gestensteuerung im noch nicht erhältlichen Golf R Touch und im demnächst erhältlichen BMW 7er aber nicht in der Luft Bewegungen gemacht werden (die eine Kamera erfasst), sondern bei der die Gesten auf dem Touchscreen aufgezeichnet werden.
 
Audi wiederum hat mit Audi Connect das umfangreichste Konnektivitätsangebot innerhalb der VW-Gruppe. Allerdings auch das teuerste.

Fahrerassistenzsysteme

Auch bei den Assistentsystemen haben sich VW und Audi die Entwicklungsarbeit aufgeteilt. Volkswagen treibt die Entwicklung des Einpark-Assistenten voran, Audi hingegen entwickelt das hochautomatisierte Fahren auf der Langstrecke weiter. Die jeweiligen Technologien stehen dann nach und nach der ganzen Konzernfamilie zur Verfügung. Der neue Staupilot, den Audi im neuen A8 ab 2018 anbieten will , könnte dann auch in Phaeton und Touareg einfließen, wenn der Gesetzgeber die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen hat
  Neues beim Head-Up-Display HUD

VW verbaut im Passat ein ausklappbares Head-Up-Display. Das sieht nicht ganz so ausgefeilt wie das HUD im BMW aus, liefert dem Fahrer aber trotzdem wichtige Daten wie Geschwindigkeit, Tempolimit oder Navigationsabbiegepfeile direkt ins Sichtfeld. Und kostet deutlich weniger als das Premium-HUD an der Windschutzscheibe, wie man es von BMW kennt.
 
VW kann sich vorstellen, dass bald weitere Informationen in das HUD eingeblendet werden. Wie beispielsweise Titellisten von Liedern. Allerdings nur dann, wenn der Fahrer dadurch nicht zu sehr abgelenkt wird. Beispielsweise auf der Autobahn, wenn er eher eintönig dahin fährt und dabei von ACC und Spurverlassenswarner unterstützt wird. Im Stadtverkehr würden solche ablenkenden Zusatzinformationen dagegen ausgeblendet.
 
 

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