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VW erklärt Software-Problem mit Rekuperation

27.11.2015 | 10:35 Uhr |

VW hat bei ein Problem mit der Software zur Energierückgewinnung entdeckt. Dadurch könnte der Verbrauch steigen. Allerdings dürfte kaum ein Fahrer tatsächlich betroffen sein.

Gestern berichtete die Welt, dass Volkswagen einen Software-Fehler in seinen Fahrzeugen entdeckt habe, der dazu führe, dass die Rekuperationstechnik nicht wie gewünscht funktioniere: „Bei einer größeren, bislang ungeklärten Zahl von Autos mit Verbrennungsmotoren funktioniert die Technik zur sogenannten Rekuperation, also der Energierückgewinnung, nicht“, schreibt die Zeitung.
 
Rekuperation
 
Per Rekuperation gewinnen Fahrzeuge im Schubbetrieb und vor allem beim Bremsen die frei werdende Energie zurück, die dann als Strom der Batterie zugeführt und gespeichert wird. Damit können Verbrennungsfahrzeuge etwas Kraftstoff sparen, weil die Batterie damit die elektrischen Verbraucher versorgen kann und der Motor etwas weniger die Lichtmaschine antreiben muss. Elektro-Fahrzeuge wie der BMW i3 wiederum gewinnen damit etwas Reichweite dazu. Wunder in Sachen Kraftstoffverbrauch darf man sich von der Rekuperationstechnik aber nicht erwarten, sie ist eben nur ein Aspekt von vielen, wenn es um die Verbrauchssenkung geht.
 
PC-WELT fragte bei VW nach
 
Trotzdem ist es natürlich ärgerlich und zum Nachteil des Kunden, wenn die Rekuperation nicht funktioniert. PC-WELT fragte deshalb bei Volkswagen nach, wie das Problem sich konkret darstellt. Sofern die Darstellung, die Volkswagen uns gegeben hat, zutrifft, ist die Rekuperation in den von dem Software-Problem betroffenen Fahrzeugen jedoch nicht durchwegs außer Funktion, sondern nur unter ganz bestimmten, eher selten Voraussetzungen, gestört. In diesem Fall würde der Masse der VW-Fahrer mit Fahrzeugen mit Rekuperationssystemen kein Nachteil entstehen.
 
Michael Franke, Leiter Kommunikation Technologie bei VW, beschrieb uns gegenüber das Software-Problem folgendermaßen:
 
„Im Rahmen der Modellpflege mit Produktionsdatum ab KW 22/2015 ist eine fehlerhafte Rekuperations-Software in die Serie eingeflossen. Der Softwarefehler hat jedoch keinen Einfluss auf den Kundenverbrauch.
 
Dieser Fehler tritt jedoch nur in Erscheinung, wenn sich die 12 Volt-Fahrzeugbatterie entladen hat und über ein externes Ladegerät mit eingeschalteter Zündung nachgeladen worden ist – und vor der ersten Fahrt die Zündung nicht wieder ausgeschaltet wurde. In diesem Fall wird die 12 Volt-Batterie nicht erkannt und die für den Fahrbetrieb benötigte Energie zur Bordnetzversorgung nicht aus der Batterie entnommen, sondern vom Generator erzeugt. In diesem speziellen Fall würde dies bei der ersten Fahrt, nach erfolgter Nachladung, zu einer Erhöhung des CO2-Wertes von zirka 4 bis 5 g/km gegenüber dem gemessenen Katalogwert führen. Der Fehler wird jedoch beim ersten Motorneustart wieder gelöscht.
 
Da es sich hier um neue Fahrzeuge mit ebenfalls neuen Batterien handelt, tritt solch ein Fall in der Praxis selten auf.
 
Für den Kunden ergibt sich daraus kein Verbrauchsnachteil. Die Fahrzeuge sind technisch sicher und fahrbereit.
 
Alle in die Rekuperations-Thematik eingeschlossenen Fahrzeuge sind gesetzeskonform zugelassen. Die Katalogwerte der CO2-Angaben entsprechen den gemessenen Zulassungswerten.
 
Zur Behebung ist als Service-Maßnahme ein Software-Update nötig. Diese Maßnahme muss jedoch zuvor mit dem KBA abgestimmt werden.
 
Zu den betroffenen Modellen und zum Volumen können wir derzeit noch keine Angaben machen.“ (Zitat-Ende)
 
Sofern diese Problembeschreibung von VW also zutrifft, sind nur solche VW-Kunden ohne funktionierende Rekuperation unterwegs, die ihre Fahrzeugbatterie bereits einmal entladen haben. Da es sich bei den betroffenen Volkswagen um Neufahrzeuge ab Auslieferung in der letzten Mai-Woche 2015 handelt, tritt dieser Fall nur äußerst selten auf. Beispielsweise weil sich die Batterie durch einen nicht abgeschalteten Verbraucher über Nacht entladen hat. In der Praxis kommt das aber kaum noch vor, weil ein akustisches Warnsignal den Fahrer zum Beispiel warnt, wenn er die Scheinwerfer nach dem Abschalten der Zündung noch eingeschaltet hat. Fahrzeuge mit Licht-Automatik schalten die Scheinwerfer beim Abschalten der Zündung ohnehin automatisch ab, ebenso wie das Infotainmentsystem automatisch abgeschaltet wird.
 
Somit kann sich die Batterie bei einem Neuwagen eigentlich nur noch in zwei seltenen Fällen entleeren:
 
a) durch einen technischen Defekt und damit verbundenen Kriechstrom
 
b) wenn ein Verbraucher an die Dauerplus führende 12-Voltsteckdose über Nacht angeschlossen bleibt. Also beispielsweise eine nachgerüstete Sitzheizung. Allerdings setzt das voraus, dass die 12-Volt-Steckdose tatsächlich Dauerplus führt, was bei modernen PKW eher unüblich ist (Ausnahme: beim Zigarettenanzünder im T5 liegt zum Beispiel Dauerplus an).

Doch selbst in diesen seltenen Fällen soll der Fehler laut VW nach dem ersten Motorneustart (also Zündung an/aus) gelöscht sein. Das heißt, auch Fahrzeuge, bei denen die Batterie bereits nachgeladen wurde, sind nur während der ersten Fahrt ohne die 12-Volt-Rekuperation unterwegs, wie Franke betont. Somit stellt sich das Problem nicht annähernd so dramatisch dar, wie es der Zeitungsartikel zunächst nahe gelegt hat.

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