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Klassische Betriebssysteme werden überflüssig

17.09.2008 | 14:54 Uhr |

Eine neue Ära in Sachen OS will VMware einläuten: Verschiedene Produkte und Techniken des Herstellers sollen perfekt aufeinander abgestimmt zur Basis in Rechenzentren werden.

Zu Beginn der Hausmesse VMworld in Las Vegas fand VMware-Chef Paul Maritz klare Worte: Klassische Betriebssysteme gehören seiner Meinung nach der Vergangenheit an. Die Zukunft sei das hauseigene Virtual Data Center OS (VCD OS) für Rechenzentren. Damit ließen sich Serveranwendungen flexibler und effizienter managen.

Beim VDC OS wird das Prinzip der Virtualisierung von einzelnen Servern auf alle anderen Geräte im Rechenzentrum erweitert, also auch auf Netzwerk-Switches und Speichersysteme. Durch diese virtualisierte Umgebung ließen sich laut Maritz Anwendungen mit hoher Arbeitslast schnell auf andere Hardwarekomponenten verteilen. Das Betriebssystem erstelle eine interne Umgebung fürs Cloud-Computing im Rechenzentrum.

VMware hatte VDC OS bereits am Montag angekündigt. Dabei handelt sich im Kern um kein eigenes Produkt, sondern um eine Sammlung verschiedener VMware-Produkte und -Techniken, die optimal aufeinander abgestimmt werden. Die meisten der einzelnen Bestandteile gibt es aber noch gar nicht. Laut VMware werden die neuen Produkte 2009 vorgestellt, beispielsweise vNetworks und vStorage, mit denen sich virtuelle Switches und Speichersysteme verwalten lassen.

In seiner Rede erwähnte Maritz den Konkurrenten Microsoft kaum. Er ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass er in der Taktik des Software-Riesen, die eigene HyperVisor-Software mit Windows zu bündeln, nicht als Gefahr für VMware sieht. „Das klassische Betriebssystem ist heute kaum noch von Bedeutung", erklärte er. Auf die Frage, ob VMware mit dem VDC OS ein eigenes Betriebssystem baue, meinte er, dass komme darauf an, was man unter einem OS verstehe.

„Natürlich gibt es Parallelen – zum Beispiel hat auch VDC OS Programmierschnittstellen und Services", erläuterte er. „Dennoch ist es kein klassischen Betriebssystem. Künftig werden mit den Services des virtuellen Rechenzentrums neuartige Anwendungen erstellt, die all das leisten, was man von klassischen Betriebssystemen kennt."

Man habe lange mit sich gekämpft, ob man VDC OS als Betriebssystem beschreiben solle. Auch die Begriffe „Virtuelle Infrastruktur" und „Meta OS" hätten zur Diskussion gestanden. Letztlich habe man sich mit VCD OS für die griffigere Bezeichnung im Kundenkontakt entschieden. Außerdem sei es noch immer denkbar, dass der Hypervisor eines Tages in ein klassisches Betriebssystem implementiert werde. Derzeit gehe man aber andere Wege.

Maritz bestätigte, dass sich VMware damit auf eine großes Projekt einlasse und dass viel von der engen Zusammenarbeit mit Partnern abhänge. Auf die Frage, was die größte Herausforderung für das Unternehmen im nächsten Jahr sei, erklärte er: „Wie bei allem hängt viel davon ab, wie die Dinge umgesetzt werden. Als Unternehmen müssen wir da noch in vieler Hinsicht reifer werden. Dazu gehört auch, mehrere technische Projekte gleichzeitig umzusetzen und die Liefertermine für neue Produkte einzuhalten."

VMware sei nicht mehr der einzige Anbieter auf dem Virtualisierungsmarkt und müsse sich den Konkurrenten stellen – nicht zuletzt Microsoft. Über seinen früheren Arbeitgeber witzelte er, dass man auf wichtige Virtualisierungsfunktionen wohl bis Windows 3000 warten müsse. „Aber natürlich darf man Microsoft nicht unterschätzen."

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