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V2 Sagitta – besonders windschnittiger VW Käfer von 1947

28.03.2013 | 08:53 Uhr |

Der Luftwiderstandsbeiwert (cW) gilt bei modernen Autos als ein wichtiger Baustein dafür, dass sie weniger Kraftstoff verbrauchen. Doch das Wissen von der Wichtigkeit des cW-Wertes ist keineswegs neu. Bereits die Konstrukteure des VW Käfers kannten die Vorteile eines niedrigen cW-Wertes – und bauten einen windschnittigen Käfer namens V2 Sagitta mit einem bemerkenswerten niedrigen Luftwiderstandsbeiwert von 0,27.

Wenn ein Auto besonders windschnittig ist, dann verbraucht es weniger Kraftstoff, beschleunigt schneller und erreicht eine höhere Geschwindigkeit. Deshalb versuchen die Konstrukteure moderner PKWs ihre Fahrzeuge mit einem möglichst niedrigen Luftwiderstandsbeiwert (cW) zu bauen – wobei sie dabei aber Kompromisse im Hinblick auf die Optik ihrer Fahrzeuge eingehen müssen. Ein typisches Problem sind hierbei die Radkästen/Radhäuser: Würden man diese vollverkleiden, wäre der Wagen windschnittiger. Doch die meisten Kunden wollen die Räder und besonders die optisch ansprechenden (Alu)-Felgen sehen. Also bleiben die Radhäuser offen.

Die Bedeutung des Luftwiderstandsbeiwerts ist aber keine neue Erkenntnis, bereits vor vielen Jahrzehnten machten sich Konstrukteure Gedanken darüber, wie sie ihre Autos möglichst windschnittig gestalten können. Das zeigte sich unter anderem bei der Form des in den 1930er Jahren entwickelten VW Käfers, der für die damalige Zeit eine bereits sehr gelungene windschnittige Karossiereform bekam.

Doch die VW-Ingenieure hätten den Käfer durchaus noch windschnittiger bauen können. Das beweist der Prototyp V2 Sagitta von 1947, der jetzt in einem modernen Windkanal auf seine Windschnittigkeit überprüft wurde (das Wort sagitta kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Pfeil“).

Die Messfahrt mit einem Volkswagen-Oldtimer im Wolfsburger Klimawindkanal erbrachte einen überraschend niedrigen cW-Wert.
Vergrößern Die Messfahrt mit einem Volkswagen-Oldtimer im Wolfsburger Klimawindkanal erbrachte einen überraschend niedrigen cW-Wert.
© VW

Einige cW-Werte zum Vergleich

Der serienmäßige VW Käfer aus den 1940er Jahren hat einen cW-Wert von 0,46 bei einer Stirnfläche von 1,80 qm (der cW-Wert der VW Käfer hat sich im Laufe der Jahrzehnte aufgrund von leichten Änderungen an der Karosserieform immer wieder verändert). Den V2 Sagitta hatten seinerzeit die VW-Konstrukteure mit Blick auf die Windschnittigkeit deutlich optimiert. Heraus kamen ein cW-Wert von 0,217 und eine Stirnfläche von 2,10 qm. Zum Vergleich: Der aktuelle Golf VII hat einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,27 bei einer Stirnfläche von 2,19 qm. Der kürzlich vorgestellte Volkswagen XL1 unterbietet diese Werte zwar noch - cW-Wert 0,189, Stirnfläche 1,50 qm – ist aber im Unterschied zum Golf kein Großserienmodell, sondern wird nur in einer ganz kleinen Stückzahl produziert.

Strömungsgünstige Details gehen auf Grundlagenuntersuchungen von Baron von König-Fachsenfeld zurück.
Vergrößern Strömungsgünstige Details gehen auf Grundlagenuntersuchungen von Baron von König-Fachsenfeld zurück.
© VW

Sagitta entstand in den 1940er Jahren

Der V2 Sagitta wurde nach seinem Erbauer Kurt Volkhart benannt. Volkhart hatte bereits Anfang der 1940er Jahre angefangen, auf Basis von Grundlagenuntersuchungen des Aerodynamikers Baron von König-Fachsenfeld, windschnittige Sportversionen des Käfers zu entwickeln – darunter kompromisslose Streamliner mit durchgehender Rückenflosse. Aber nur sein Sagitta-Projekt wurde schließlich vollendet – im Jahre 1947 - und zwar mit einer leichten Aluminium-Karosserie (die Originalkarosserie des Käfers besteht aus schwererem Stahl) auf einem Stahlrohr-Gitterrohrrahmen (das entspricht dem Originalkäfer).

Der Motor des V2 Sagitta von 1947 blieb gegenüber dem Serienmotor unverändert: Der luftgekühlte Boxermotor leistete aus1,1 Liter Hubraum 24,5 PS. Dank des strömungsgünstigen Aufbaus, der in Details der Karosserie des Porsche 356 (dem Vorgänger des 911) ähnelt, waren mit dem kleinen Motor aber stolze 140 km/h möglich.

Eine aktuelle technische Prüfung im Windkanal erfuhr der V2 Sagitta erst im Januar 2013, nachdem der verschollen geglaubte Wagen während eines Concours d’Elegance wieder ins Licht der Öffentlichkeit gekommen war: Das Team um Dr. Alexander Wittmaier von der Volkswagen Forschung und Entwicklung ließ das Fahrzeug von seinem heutigen Standort in Österreich nach Wolfsburg bringen, um es im Windkanal aerodynamisch zu bewerten.

Entfernt man die Radhausverkleidungen, verschlechtert sich der cW-Wert.
Vergrößern Entfernt man die Radhausverkleidungen, verschlechtert sich der cW-Wert.
© VW

Kleine Details bewirken viel

Im Laufe der Untersuchung des V2 Sagitta wurde auch die aerodynamische Wirksamkeit einzelner Maßnahmen wie der Radhausverkleidungen untersucht. Entfernt man sie, verschlechtert sich der cW-Wert auf 0,252. Werden dagegen die Scheibenwischer abmontiert oder ein kleiner Heckspoiler verwendet, verringert sich der cW-Wert auf 0,216.

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