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Technikgeschenke überfordern immer mehr Käufer

19.12.2007 | 11:37 Uhr |

Digitalkameras, Handys oder Navigationssysteme werden immer leistungsfähiger. Oft zulasten der Bedienerfreundlichkeit. Doch es geht auch anders.

Deutschland im Techno-Kaufrausch. Nie schleppen die Bundesbürger mehr Fernseher, Hi-Fi-Anlagen, Mobiltelefone, Computer, MP3-Spieler und anderes elektronisches Spielzeug in ihre Wohnstuben als zur Vorweihnachtszeit. Nie aber waren sie auch ratloser angesichts einer Flut neuer Technologien, Kürzel und Funktionen als in diesen Tagen. So mancher verzweifelt schon beim Studium der Prospekte, in denen "Multimedia-Mobiltelefone", "Video-Jukebox-MP3-Spieler" oder "Bluetooth-Freisprech-Navis" angeboten werden. Von Fernsehern mit LCD- und HD-Technik, DVB-T-Empfängern und HDMI-Anschlüssen ganz zu schweigen.

"Der Trend, die Geräte mit immer mehr Fähigkeiten und immer neuen Eigenschaften aufzurüsten, überfordert viele Käufer", beobachtet die Hamburger Psychologin und Unternehmensberaterin Karen Lindemann. Eine Umfrage von wiwo.de zu den größten Schwachstellen moderner Technik bestätigt das: 42 Prozent der Nutzer nennen die immer undurchschaubarer werdende Funktionsvielfalt als größten Mangel der Geräte. "Das Ergebnis sind genervte Kunden, Reklamationen wegen vermeintlicher Defekte, aber auch Imageschäden für die Hersteller", kritisiert Beraterin Lindemann.

Für die Wurzel des Übels hat die Branche einen eigenen Begriff kreiert: Es mangelt an der "Usability", zu Deutsch an der Bedienbarkeit und Benutzerfreundlichkeit der Geräte. Der Krieg der Knöpfe hat längst alle Produktkategorien und Branchen erfasst. Egal, ob Digitalkamera oder Druckmaschine: Weil Designer, Marketing- und Vertriebsleute allzu oft die Entwicklung neuer Produkte bestimmten, ohne zuvor deren Tauglichkeit bei der potenziellen Kundschaft zu testen, patzt der vermeintliche High-Tech-Knüller im Markt. "Dann muss teuer nachgebessert werden, oder das Produkt landet komplett in der Mülltonne", weiß Detlef Zühlke, der Chef des Zentrums für Mensch-Maschine-Interaktion am Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz in Kaiserslautern.

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