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Urteil: Händler muss negative Amazon-Bewertung schlucken

16.02.2015 | 16:31 Uhr |

Wegen einer negativen Amazon-Bewertung wollte ein Händler mehrere tausend Euro Schadensersatz vom Käufer.

Im sogenannten "Fliegengitter-Prozess" hat ein Amazon-Händler erneut vor Gericht eine Niederlage erlitten. Ein Mann aus Großaitingen (Landkreis Augsburg) hatte im Sommer 2013 einen Händler auf Amazon negativ bewertet, nachdem er von ihm ein Fliegengitter für 22,51 Euro gekauft hatte und damit unzufrieden war. Nach Darstellung des Mannes ließ sich das Gitter mit der beiliegenden Anleitung nicht richtig montieren. Der Händler war von der negativen Bewertung wenig begeistert. Vor Gericht fordert der Händler einen Schadensersatz in Höhe von 73.487,50 Euro ( wir berichteten ). Auf diesen Wert wurde jedenfalls der Streitwert des Verfahrens festgesetzt.

Das Augsburger Landgericht hatte die Klage bereits in erster Instanz abgewiesen. Das Oberlandesgericht München hat in der Berufung erneut die Klage des Händlers abgewiesen ( OLG München, Az. U 3365/14 ). Das berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung am Montag in ihrer Online-Ausgabe. Nach Ansicht des Gerichts müsse ein Händler eine harte und unter Umständen nicht ganz zutreffende Kritik im Internet dulden, wenn die Aussage als freie Meinungsäußerung zu verstehen sei.

Die negative Kritik des Käufers sei in dem Zusammenhang zu beurteilen, in dem sie gefallen sei. Im betreffenden Fall stehe daher nicht die Tatsachenbehauptung, sondern das Werturteil im Vordergrund. " Da der Beklagte durch seine Äußerung zum Ausdruck bringen wollte, dass er die Montageanleitung für falsch hält und ihre Befolgung zu einem nicht gewünschten Ergebnis führt, ist (...) die angegriffene Aussage des Beklagten insgesamt als Meinungsäußerung zu qualifizieren, die vom Grundrecht aus Art. 5 Abs. I Satz I GG geschützt wird", so die Richter.

In der Urteilsbegründung geben die Richter dem Beklagten auch Recht mit seiner Kritik an der Anleitung. "Die konsequente Befolgung dieser Anleitung führte jedoch zwingend dazu, dass, wie vom Beklagten vorgetragen, 'das Ganze zu kurz' wird", heißt es in der Urteilsbegründung.

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