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So viel kassieren GEMA & Co. pro Smartphone

22.03.2012 | 16:50 Uhr |

Smartphones wie das Samsung Galaxy S2 könnten bis zu 36 Euro billiger sein. Sind sie aber nicht, weil die Hersteller für jedes verkaufte Smartphone eine Abgabe an die GEMA und andere Verwertungsgesellschaften zahlen müssen. Die Kosten tragen letztendlich Sie als Kunde. In einem PDF legt die GEMA jetzt die Preise offen. Wir haben nachgeschaut...

Smartphone-Käufer in Deutschland führen, ohne es zu wissen, für jedes gekaufte Gerät eine Urheberrechts-Pauschale ab. Die Gebühr wird vom Hersteller auf den Kaufpreis aufgeschlagen und macht die Telefone um bis zu 36 Euro teurer. Es handelt sich um einen gemeinsamen Tarif mit den Verwertungsgesellschaften VG Wort und VG Bild-Kunst.

Die GEMA vertritt die Urheberrechte von Musikern, VG Wort von Autoren und VG Bild-Kunst von bildenden Künstlern. Der Tarif wird als Pauschale genommen, weil angenommen wird, dass Smartphone-Benutzer urheberrechtlich geschützte Inhalte konsumieren und auch teilen. Wörtlich heißt es: „Mobiltelefone [...], mit denen Vervielfältigungen urheberrechtlich geschützter Werke und Leistungen gemäß § 53 Abs. 1 - 3 UrhG vorgenommen werden können und die über eine Funktion zur Wiedergabe dieser Werke und Leistungen verfügen.“

Die Pauschale ist je nach Gerät unterschiedlich hoch. Mobiltelefone ohne Touchscreen kommen am billigsten davon – für sie fließen 12 Euro pro Stück an die Verwertungsgesellschaften. Smartphones mit Touchscreen und einer Speicherkapazität von weniger als 8 GB werden mit 16 Euro belangt. Hat ein Mobiltelefon sowohl einen Touchscreen als auch eine Speicherkapazität von mindestens 8 GB, werden 36 Euro fällig.

Mobiltelefone haben nach der Definition des GEMA-PDFs eine Displaygröße von 4 Zoll oder weniger. Die Tarife gelten für alle in Deutschland hergestellten Mobiltelefone und für alle Mobiltelefone, die gewerblich nach Deutschland eingeführt werden.

Wikipedia listet auch die alten Preise. Bis zum 31. Dezember 2010 war die Gebühr für Geräte ohne Touchscreen mit 4 Euro deutlich günstiger. Für Touchscreen-Geräte fielen nur 11 Euro an. Die Unterscheidung nach Speichergröße wurde gar nicht gemacht.

Auf der Wikipedia-Seite finden Sie übrigens auch die für andere Geräte fälligen GEMA-Abgaben. Am günstigsten sind die Pauschalen für Tonträger wie CD-Rohlinge mit 0,0614 Euro pro Stunde Audio-Speicher. Für PCs werden kurioserweise mit 13,65 Euro deutlich weniger Abgaben fällig als für Smartphones mit Touchscreen. Am teuersten sind Laser-Multifunktionsdrucker mit 87,50 Euro, wenn sie 40 Seiten oder mehr pro Minute drucken können. Diese Pauschale dürfte allerdings eher die VG Wort und VG Bild-Kunst als die GEMA betreffen. Was sagen Sie zu diesen Gerätepauschalen? Sind sie gerechtfertigt, um Künstler und Autoren finanziell zu unterstützen? Oder ärgert Sie, dass dadurch Smartphones, Drucker & Co. teurer sind als nötig? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare unter diesem Artikel.

Deichking genervt von GEMA-Sperre

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