95488

Update: Oracle will Hyperion in neuen Milliarden-Deal übernehmen

01.03.2007 | 11:44 Uhr |

Eine weitere Mega-Hochzeit im Markt für Business Intelligence bahnt sich an. Für 3,3 Milliarden Dollar will Oracle mit Hyperion einen der führenden Anbieter von Software für Datenanalyse und Unternehmenssteuerung kaufen und erschüttert die Szene.

Oracle-CEO Larry Ellison steuert offenbar auf die nächste Übernahme zu
Vergrößern Oracle-CEO Larry Ellison steuert offenbar auf die nächste Übernahme zu
© 2014

Erste Gerüchte, dass ein offizielles Angebot durch Oracle unmittelbar bevor stehe, hatte gestern die "New York Times" in den USA in Umlauf gebracht . Mittlerweile beruft sich auch das "Wall Street Journal" auf Insider, nach deren Aussage Oracle 52 Dollar in bar pro Hyperion-Aktie offerieren wolle. Der Kaufpreis würde damit insgesamt rund 3,3 Milliarden Dollar betragen, ein Aufgeld von rund 21 Prozent auf Hyperions Schlusskurs von gestern. Der Deal, dem monatelange Verhandlungen vorausgingen, dürfe demnach bereits heute offiziell angekündigt werden. In den deutschen Dependance von Oracle und Hyperion gab man sich überrascht und wollte die Presseberichte zum aktuellen Zeitpunkt nicht kommentieren.

Oracle würde damit die Liste seiner Zukäufe verlängern, mit denen der Datenbankriese fehlendes Wachstum im alten Kerngeschäft wettzumachen versucht. In den vergangenen zwei Jahren hatte Konzernchef Lawrence "Larry" Ellison über 20 Milliarden Dollar für den Kauf von mehr als 25 Softwarefirmen hingeblättert. Oracle hat sich damit zum zweitgrößten Anbieter von Unternehmensanwendungen nach SAP aufgeschwungen. Einen besonderen Fokus legt Oracle dabei auf Software und Kunden im Markt für Business-Intelligence-Software zur Datenanalyse und Unternehmenssteuerung. Obwohl das Unternehmen seit Jahren im lukrativen Markt agiert und eigene Software rund um seine Datenbank entwickelt, sind es vor allem die Übernahmen von Peoplesoft, Siebel, Sigma Dynamics und Sunopsis, die zum Durchbruch in verhelfen sollen. Erst vor kurzem hatte Oracle eine neugeordnete BI-Produktsuite vorgestellt (siehe auch " Oracle stellt umfangreiche Suiten für Business Intelligence vor ").

Dennoch geht der Kaufrausch ungemindert weiter. So soll es in den vergangenen Monaten nicht nur Gespräche mit Hyperion, sondern auch mit dessen Konkurrenten Cognos und Business Objects gegeben haben (siehe auch " Gerüchteküche: Will Oracle Business Objects kaufen ?". Alle Unternehmen sind seit langem im Markt und entwickeln Software zur Aufbereitung, Analyse/Reporting und Formatierung von Geschäftsinformationen. Hinzu kommen insbesondere Anwendungen im Finanz-Management für Planung Budgetierung, Forecasting. Technisch geht hierbei der Trend in Richtung modualer Produktplattformen , die über Business Intelligence hinaus auch Aspekte wie Datenintegration, Metadaten-Verwaltung und im Falle Hyperions auch das Stammdaten-Management einbeziehen sollen. Wie seine Konkurrenten hat auch Hyperion mit offiziell 12 000 Kunden eine große Klientel vor allem in Großunternehmen. Doch der Markt ist hart umkämpft und setzt auch den Hersteller zunehmend unter Druck, wie Chief Executive Officer Godfrey Sullivan in einem Computerwoche-Gespräch bestätigt hatte (siehe " Anwender wissen nicht, was BI bedeutet "). Neben weiteren BI-Konkurrenten wie SAS Institute oder Microstrategy, Neueinsteigern und der wachsenden Verbreitung von Open Source, haben in den letzten Jahren auch Softwareriesen wie IBM, SAP und Microsoft immer mehr an Bedeutung gewonnen. Oracle will nun vor allem gegenüber diesen Schwergewichten und Konkurrenten Boden gut machen. Sollte der Kauf zustande kommen, bringt Hyperion insbesondere auf dem Anwendungsgebiet der Unternehmenssteuerung ( Coporate-Performance-Management) neben Software viel Expertise mit. Probleme könnte indes die Integration von Hyperion in den wachsenden BI-Bauchladen Oracles bereiten, da es Überscheidungen gibt.

Oracle hatte im Dezember zwar starke Zahlen für sein zweites Fiskalquartal vorgelegt, die Investoren aber mit seinem Zuwachs im Lizenzgeschäft enttäuscht. Damals erklärte das Unternehmen, es sei nicht mehr gelungen, einige große Abschlüsse noch rechtzeitig im Berichtszeitraum unter Dach und Fach zu bekommen. Deswegen waren die Lizenzerlöse "nur" um 28 Prozent gestiegen nach 80 Prozent im vorhergehenden Vierteljahr. Die Hyperion-Aktie schloss gestern 25 Cent leichter bei 42,84 Dollar; die Marktkapitalisierung des Unternehmens beträgt damit rund 2,5 Milliarden Dollar. Hyperion setzt im Fiskaljahr 2006 (Ende: Juni 2006) 765 Millionen Dollar um. Gegenüber der Computerwoche bezeichnete ein Insider das Kaufangebot von Oracle als "zu niedrig" und verwiesen zudem auf Konkurrenten wie Hewlett-Packard oder SAP, die ebenfalls für weitere Zukäufe gut wären. (as)

0 Kommentare zu diesem Artikel
95488