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Erkauft sich Google mehr Tempo im Internet?

06.08.2010 | 14:42 Uhr |

Internet-Provider behandeln alle Datenpakete im Internet gleich. Doch laut einem US-Zeitungsbericht will Google einen großen US-Provider dafür bezahlen, dass seine Daten schneller durchgeleitet werden. Update: Mittlerweile liegt die Antwort von Google vor.

Wie die New York Times berichtet, verhandelt Google mit dem US-Internet- und Mobilfunk-Provider Verizon darüber, dass Verizon bestimmte Internet-Inhalte schneller ausliefert als anderen Content. Gegen Bezahlung durch den Content-Lieferanten, in diesem Fall also Google.

Konkret könnte das beispielsweise bedeuten, dass Verizon Youtube-Videos bevorzugt ausliefern könnte (das Videoportal Youtube gehört Google). Denn es sind gerade Videostreams, die massiv Traffic verursachen und das Internet belasten. Schon länger denken deshalb Internet-Provider drüber nach, wie sie an diesen für sie bisher nur nachteiligen, weil Aufwand verursachenden Inhalten verdienen könnten. Eine nahe liegende Möglichkeit: Der Auslieferer der Videos zahlt für die Auslieferung der Videos an den Provider.

Sollten sich Google und Verizon tatsächlich darauf einigen, dass Verizon gegen Bezahlung bestimmte Inhalte bevorzugt durchleitet, dann wäre das der Anfang vom Ende der so genannten Netzneutralität. Sie besagt, dass alle Inhalte gleichberechtigt behandelt und weitergeleitet werden, unabhängig davon, von wem sie stammen.

Wenn die Provider tatsächlich anfangen, Gebühren für die Weiterleitung bestimmter Inhalte zu verlangen, könnte das im Endeffekt zusätzliche Kosten für den Internetnutzer bedeuten. Weil die Provider dann vielleicht dazu übergehen und gegen Aufpreis bevorzugte “Premium“-Internetzugänge anbieten, während Nutzer der Standardzugänge mit gedrosseltem Tempo unterwegs sind.

Laut New York Times war Google nicht zu einer Stellungnahme bereit. Insiderinformationen zufolge könnte das Abkommen zwischen Google und Verizon aber bereits nächste Woche unterzeichnet werden.

Sollte sich die „schnellere-Durchleitung-gegen-Bezahlung“ durchsetzen, dürften kleinere Web-Content-Anbieter das Nachsehen haben. Kleine Internetunternehmen und private Betreiber von Websites können mit großen Internet-Unternehmen finanziell nicht mithalten und müssten akzeptieren, dass ihre Inhalte bei der Auslieferung benachteiligt werden.

PC-WELT fragte bei Google nach , was an dem Bericht der New York Times dran sei. Die Antwort von Google kam prompt:

"The New York Times is quite simply wrong. We have not had any conversations with Verizon about paying for carriage of Google traffic. We remain as committed as we always have been to an open Internet."

Google dementiert also, jemals Gespräche mit Verizon über eine Bezahlung für die Weiterleitung seines Traffics geführt zu haben. Google sieht sich wie gehabt dem freien Internet verpflichtet.

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