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Handy-Spionage-Tool Carrier IQ weiter in der Kritik

06.12.2011 | 10:33 Uhr |

Europäische Wettbewerbshüter untersuchen derzeit das Handy-Spionage-Tool Carrier IQ. Dabei soll vor allem geklärt werden, ob durch den Einsatz des Tools die Privatsphäre der Handy-Nutzer verletzt wurde.

Die Entdeckung der Handy-Spionage-Software Carrier IQ durch den US-Entwickler Trevor Eckhart schlägt auch in Europa Wellen. Das Tool scheint bisher nur in den USA zum Einsatz gekommen zu sein. Dennoch haben nun mehrere europäische Organisationen und Wettbewerbshüter Untersuchungen eingeleitet.

Auch in Deutschland wird Carrier IQ untersucht. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat laut einem Bericht unserer US-Schwesterpublikation Computerworld ein Schreiben an Apple Deutschland verfasst, in dem das Unternehmen über seine Nutzung von Carrier IQ befragt wird. Mit einer Antwort wird innerhalb der nächsten zwei Wochen gerechnet, weil Apple Deutschland solche Anfragen in der Regel erst nach Absprache mit der Zentrale in den USA beantwortet. Das britische Information Commissioner´s Office (ICO) und die European Consumers´ Organisation (BEUC) untersuchen ebenfalls Carrier IQ.

Der Entwicker Trevor Eckhart hatte herausgefunden, dass die Software unter anderem die Tastatureingaben, die SMS-Botschaften und den Standort der User protokolliert . Die ICO will britische Mobilfunkbetreiber kontaktieren und ermitteln, ob Carrier IQ oder eine ähnliche Software in Großbritannien zum Einsatz kommt. Sollte eine solche Software zum Einsatz kommen, dann soll ermittelt werden, welche Maßnahmen die Mobilfunkbetreiber ergreifen, um den persönlichen Datenschutz der User zu gewährleisten.

Apple USA hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, dass Carrier IQ nur in Versionen vor iOS 5 zum Einsatz kam und dabei keine persönlichen Informationen gesammelt wurden. Seit iOS 5 seien keinerlei Bestandteile von Carrier IQ mehr im mobilen Betriebssystem enthalten.

Samsung hat erklärt, dass keines seiner in Europa verkauften Smartphones jemals mit Carrier IQ ausgeliefert worden sei. Ähnlich äußerten sich bisher auch alle in Europa befragten Mobilfunkbetreiber, wie etwa Vodafone oder Orange, die betonten, niemals die Software eingesetzt zu haben. Nur Vodafone in Portugal gab an, Carrier IQ im Jahre 2009 einem begrenzten Test unterzogen zu haben, sich dann aber letztendlich gegen die Nutzung der Software entschieden zu haben. Eine gemeinsame Pressemitteilung von Vodafone Portugal und Carrier IQ über die Einführung der Software bezeichnete ein Sprecher von Vodafone Portugal als inkorrekt und fügte hinzu, dass der Schutz der Privatsphäre der Kunden den höchsten Rang genieße.

Carrier IQ selbst verweist immer wieder darauf, dass seine Software nur für die Diagnose zum Einsatz komme, um beim Lösen von Problemen in Mobilfunknetzen oder bei den Geräten selbst zu helfen. So werde beispielsweise protokolliert, ob eine SMS nicht versendet werden konnte. Der Inhalt der SMS werde dabei aber nicht erfasst. Außerdem soll die Software dabei helfen zu ermitteln, welche Applikationen sich negativ auf die Akkulaufzeit auswirken. Die Software kommt laut der Website von Carrier IQ bei ungefähr 141 Millionen Geräten zum Einsatz.

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