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Wahlcomputer spielt Pac-Man

21.08.2010 | 14:49 Uhr |

US-Informatiker haben einen Wahlcomputer so manipuliert, dass darauf der Videospielklassiker Pac-Man läuft. Dazu mussten die Forscher nicht einmal die Versiegelungen brechen, die beim DRE-Gerät (Direct Record Electronic) des US-Herstellers Sequoia auf Manipulationen hinweisen sollten.

Einmal mehr ist damit gezeigt, dass das in den USA noch 2008 genutzte Modell "AVC Edge" auch für Wahlmanipulationen anfällig wäre. "DRE-Wahlmaschinen werden bald weithin außer Betrieb genommen. Ihre Zukunft ist die Emulation klassischer Games zur Belustigung von Nerds", meinen J. Alex Halderman, Assistenzprofessor für Elektrotechnik und Informatik an der University of Michigan , und Kollegen anlässlich des E-Voting-Technologieworkshop EVT/WOTE '10 . Dafür sind die Maschinen gut geeignet, ähnelt das Innenleben eines AVC Edge doch jenem von PCs vor 20 Jahren.

2008 kam das Sequoia-Modell in US-Wahlbezirken mit knapp neun Mio. registrierten Wählern zum Einsatz, unter anderem in Williamsburg, Virgina. Eben dort kam das für den Pac-Man-Hack genutzte Gerät bei den Präsidentschaftsvorwahlen 2008 zum letzten Mal zum Einsatz. Schon da war der Wahlcomputer mit Touchscreen technisch praktisch museumsreif. Denn im Gerät steckt neben 32 Megabyte RAM eine 486-CPU - eine Architektur, die Intel 1989 auf den PC-Markt geworfen hat. Die Wahlsoftware ist auf einer CompactFlash-Karte gespeichert.

Eben diese Speicherkarte haben die Forscher kurzerhand mittels PC umprogrammiert, sodass darauf das alte Microsoft-Betriebssystem DOS läuft. Eine Herausforderung bei dem Experiment war laut Halderman, sich dabei die richtigen Programmiermethoden in Erinnerung zu rufen. Dennoch hat es dem Informatiker zufolge nur drei Nachmittage gedauert, ehe dank einem passenden Hardwareemulator Pac-Man in seiner Original-Version auf der Wahlmaschine lief.

Das Wahlcomputer unsicher sind, war für Halderman von vornherein klar. Immerhin war er im Vorjahr an einem Experiment zu einem realistischen Angriffsszenario beteiligt. Der Pac-Man-Hack hat dem Forscher zufolge einen einfachen Grund. Der Game-Klassiker mache mehr Spaß als ein weiterer trockener Nachweis, dass eine Stimmmanipulation möglich ist. Zudem feiert Pac-Man dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Das wollte das Team feiern - ebenso, wie es beispielsweise Google mit einer zeitvernichtenden Doodle-Aktion getan hat.

(pte)

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