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Zensur bei Google Maps und Google Earth (mit Galerie)

21.06.2010 | 16:46 Uhr |

Derzeit steht Google wegen seiner Sammelwut in Zusammenhang mit Street View in der Kritik. Doch Google kann auch anders: Nämlich zensieren. Google verbirgt bewusst einige Informationen und Fotos, die die Sicherheit der USA betreffen.

Datenschützer begegnen Google Maps und Google Earth seit langem mit Misstrauen, nicht erst seit bekannt wurde, dass im Auftrag von Google Autos durch deutsche Städte fahren, um exakte Fotos für die Street View-Ansicht von Google Earth zu schießen. Dabei hat Google auch massiv unverschlüsselten Wlan-Traffic mitgeschnitten, worunter sich auch Passwörter und Mails befinden. Doch wenn es um die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika geht, dann kann Google durchaus diskret und zugeknöpft sein, wie einige Beispiel beweisen.

So stellt Google für einige Gebäude bewusst nur unscharfe oder nachträglich veränderte Fotos bereit. Das Weiße Haus (der Amtssitz des US-Präsidenten) beispielsweise lässt sich zwar mit Google Maps aufspüren. Doch die Darstellung des Daches wurde nachträglich bearbeitet, um die Schutzvorrichtungen gegen Luft- und Raketenangriffe zu verbergen. Auch das US-Kapitol, Sitz des US-Kongresses mit Senat und Repräsentantenhaus, war von Googles Schutzmaßnahmen betroffen und wurde lange Zeit unscharf dargestellt. Mittlerweile kann man das Herz des US-Parlamentarismus zwar in scharfen Bildern bewundern, diese sollen jedoch nicht auf dem aktuellen Stand sein. Anders verhält es sich beim Haus von US-Vizepräsident Dick Cheney, das nach wie vor völlig unkenntlich weil absolut unscharf dargestellt wird.

Ein US-Militär-Flughafen
Vergrößern Ein US-Militär-Flughafen
© 2014

Besonders oft sind Einrichtungen der US-Armee von den Zensurmaßnahmen betroffen. Das gilt nicht nur für Flugplätze und Standorte im Krisengebieten wie dem Irak oder Afghanistan, sondern auch für rückwärtige Einrichtungen in Europa und den USA. Hier werden die Satellitenfotos regelmäßig grobpixelig dargestellt beziehungsweise die betroffenen Flächen als komplett weiße Fläche abgebildet.

Doch nicht nur Gebäude der US-Regierung und Einrichtungen des US-Militärs werden auf den Satellitenfotos bei Google Earth verändert beziehungsweise zensiert. Auch Kernkraftwerke und Kraftwerke generell sind oft bei Google Maps nicht auffindbar, hier spielen ganz offensichtlich ebenfalls Sicherheitsinteressen eine Rolle – wer will schon Terroristen genaues Kartenmaterial für deren nächsten Terroranschlag liefern?

Mitunter können auch andere Einrichtungen, Institute Kirchen und Privatpersonen Änderungen, bewusste Unschärfen und Löschungen erreichen. So konnte eine kleine US-Gemeinde durchsetzen, dass ihre Straßen, bei denen es sich um zugangsbeschränkte Privatstraßen handelt, aus Google Earth entfernt wurden. Auch der eine oder andere Staat versucht Google zu Beschränkungen zu zwingen, Beispiele dafür sind (vermutlich) der Iran, Indien und der Stadtstaat Singapore.

Eine englischsprachige Liste vieler derart zensierter Orte finden Sie bei It-Security . Falls Sie übrigens Ihren nächsten Israel-Urlaub mit Hilfe von Google Maps vorbereiten wollen, so erleben Sie ebenfalls eine Überraschung: Suchen Sie einfach mal nach Straßennamen.

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