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YouTube-User überwachen US-Wahl

17.10.2008 | 13:25 Uhr |

Um die US-Bevölkerung auf den kommenden Wahltag am 4. November vorzubereiten und etwaige Unklarheiten zur Wahl rechtzeitig aus dem Weg zu räumen, haben das US-amerikanische TV-Netzwerk Public Broadcasting Service (PBS) und das Online-Videoportal YouTube nun eine gemeinsame Initiative ins Leben gerufen.

So haben die beiden Unternehmen unter dem Namen " Video Your Vote " einen eigenen Channel auf der Video-Seite gestartet, mit dem sie Nutzer dazu animieren wollen, ihre ganz persönlichen Wahlerfahrungen mit der Öffentlichkeit zu teilen. Neben der Klärung allgemeiner Fragen und Probleme rund um die bevorstehende Wahl ist es auch ein ausdrückliches Ziel der Aktion, Schwachpunkte des US-Wahlkonzepts ausfindig zu machen und zu dokumentieren.

"Mit der Initiative wollen wir den Wählern einen besseren Einblick in den gesamten Wahlprozess liefern", heißt es in einem offiziellen YouTube-Statement. Der "Video Your Vote"-Kanal solle vor allem für die jüngere US-amerikanische Wählerschaft eine hilfreiche Informationsquelle darstellen, die bei der Klärung von Unsicherheiten und Problemen rund um die Wahl hilft. "Mit der aktuellen Aktion wollen wir so viel wie möglich an Videomaterial aus den Wahllokalen zusammentragen. Ziel ist die Etablierung des Channels als umfassende Online-Bibliothek zum Wahltag", erläutert YouTube. Wie Steve Grove, Head of News and Politics bei YouTube anmerkt, sei die Videoplattform ohnehin bei den Usern ein sehr beliebter Ort, um öffentlich über politische Ereignisse zu berichten. "Die Wähler haben jeden Schritt des bisherigen Wahlkampfs auf YouTube dokumentiert. Die gestartete Initiative wird ihnen nun auch helfen, die einzelnen Aspekte der Wahl von der Registrierung bis zur Stimmabgabe besser zu verstehen", betont Grove.

"Indem wir den Wählern die Möglichkeit geben, ihre Wahlerfahrungen miteinander zu teilen, ermächtigen wir tausende Menschen im ganzen Land dazu, eine aktivere und persönlichere Rolle im demokratischen Prozess einzunehmen", ergänzt Jason Seiken, Senior Vice President von PBS . Eine Auswahl der besten eingesandten Videobeiträge werde auch im Fernsehen im Rahmen der PBS-Sendung "The NewsHour" gezeigt. Ein besonderes Anliegen der Aktion ist ihren Initiatoren zufolge das Aufdecken von Schwachstellen im US-Wahlsystem. "Wir wollen, dass die Wähler jegliche Probleme dokumentieren, mit denen sie im Zuge des Wahlprozesses in Berührung kommen", erklären beide Unternehmen und nennen dabei lange Warteschlangen, Störungen der Wahlmaschinen oder übertrieben aggressive Identifizierungsaufforderungen von Wahlhelfern als gängige Beispiele.

Um unangenehme Konsequenzen zu vermeiden, sollten sich US-Bürger allerdings rechtzeitig darüber informieren, welche gesetzlichen Bestimmungen es in Bezug auf die Dokumentation des Wahlprozesses in ihrem jeweiligen Land gibt. Einige US-Bundesstaaten wie Florida, Georgia oder Michigan verbieten nämlich ausdrücklich den Gebrauch von Aufnahmegeräten in ihren Wahllokalen. "Ich glaube nicht, dass ein derartiges Vorgehen in Deutschland gebilligt würde", meint der Staatswissenschafter Rüdiger Voigt auf Anfrage von pressetext. Dies sei allerdings nur eine persönliche Einschätzung. "Im Bundeswahlgesetz ist dieser Fall nicht konkret geregelt. Aus dem größeren Zusammenhang heraus bin ich aber davon überzeugt, dass ein Wahllokalleiter die Dokumentation des Wahlaktes sofort unterbinden würde, wenn er sie bemerkt. Im schlimmsten Fall könnte dann der Wahlvorgang abgebrochen werden", so Voigt. (pte)

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