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Das Karlsruher ZKM feiert Zehn-Jahres-Jubiläum

18.10.2007 | 08:30 Uhr |

Darauf ist Peter Weibel besonders stolz. Die britische Zeitung "The Independent" listete das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) vor zwei Jahren unter den 50 besten Museen der Welt auf.

Nicht auf Platz 50. Auch nicht im Mittelfeld. "Auf Platz drei stehen wir", sagt Weibel. Vor dem legendären Louvre in Paris. An diesem Donnerstag (18. Oktober) feiert das ZKM in Karlsruhe offiziell den zehnten Jahrestags seines Bestehens in den Räumen einer ehemaligen Munitionsfabrik. "Es gibt eine Menge zu feiern", sagt Weibel, der das Museum seit acht Jahren leitet.

In seinem eingegliederten Museum für Neue Kunst (MNK) verfügt das ZKM inzwischen nicht nur über einen beachtlichen Bestand von rund 14.000 Objekten und Gemälden moderner Kunst. Mit einem Pool aus acht Sammlungen - dem laut Weibel größten Sammlerverbund in Baden- Württemberg - ist dort die Geschichte der Kunst nach 1945 "lückenlos darstellbar". Das ZKM genießt inzwischen aber auch und vor allem einen internationalen Ruf als Begegnungs- und Aufführungsort sowie als Forschungszentrum für neue Medien, Informationstechnologie und Medienkunst

Peter Weibel, selbst Künstler, sieht de ZKM-Leitung als "Traumjob".
Vergrößern Peter Weibel, selbst Künstler, sieht de ZKM-Leitung als "Traumjob".
© 2014

"Ein klassisches Museum sammelt und präsentiert", sagt der Künstler und Medientheoretiker Weibel. "Wir aber forschen und wir produzieren auch Kunst." Denn während früher ein Kunstwerk allein mit Leinwand und Pinsel entstehen konnte, brauchen heutige Medienkünstler oft einen immensen technischen Aufwand, um ihre Werke zu realisieren.

Pro Jahr flattern Weibel über 150 Anfragen von Künstlern auf den Schreibtisch, die mit Hilfe des ZKM ein Kunstwerk umsetzen wollen. Vom Museum mit eher kunsthistorischem Schwerpunkt unter Weibels Vorgänger und ZKM-Gründer Heinrich Klotz hat sich das Museum heute zu einer Drehscheibe von Kunst in den Medien entwickelt. "Wir sind weiter als der neueste Stand", sagt Weibel und setzt noch eins drauf: "Das ZKM ist das technisch avancierteste Museum der Welt."

Ein Highlight ist etwa ein gigantischer, vom ZKM entwickelter Panorama-Screen, eine 360-Grad-Projektionsfläche, die mit 3D-Animationen oder Videomaterial bespielt werden kann und zahlreiche interaktive Möglichkeiten bietet. Auch an der Technik für computeranimierte Filme hat das ZKM maßgeblich mitgearbeitet. Vier Forschungsinstitute sind ihm angegliedert, die sich mit Bildmedien, computergenerierter Musik und Film beschäftigen und ständig an hochtechnologischen Eigenentwicklungen arbeiten.

"Wir haben eine starke lokale Bindung und werden gleichzeitig global wahrgenommen", meint Weibel. Damit das so bleibt, organisiert das ZKM bis zu 20 Ausstellungen pro Jahr, die von 200.000 bis 250.000 Besuchern gesehen werden - Zahlen die deutlich über denen der ersten beiden Anfangsjahre liegen.

Den 14-Millionen-Etat vom Land und der Stadt Karlsruhe stockt Weibel auf mit Sponsorengeldern oder Projektmitteln. "Unsere Ausstellungen sind zu 50 Prozent fremdfinanziert." Noch 1999 hatte ein interner Vermerk im Wissenschaftsministerium für Aufsehen gesorgt, der dem ZKM damals "Defizite", Abgehobenheit und zu geringe Erfolge bei der Drittmittelwerbung vorgehalten hatte. Inzwischen ist etwa das ZKM-Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft vollständig selbstfinanziert.

"Interaktiv total" ist Weibels Vorstellung von der Ausstellung, dem Museum, dem Künstler und dem Museumsbesucher der Zukunft. In der nächsten Schau wird der Besucher selbst zum Künstler, gibt mit Mausklicks, über Bildschirme oder den Auslöser einer Kamera selbst den Impuls für die Entstehung eines Kunstwerks, wird zum Programmgestalter, zum Produzenten und bildet sich schließlich selbst als Kunstwerk ab. Weibels Vision: Das ZKM soll zu einem Riesenportal für Kunst werden, in das jeder einspeisen kann, was er will. "Einen Teil würde ich kuratieren", sagt er. Der andere Teil stünde unbewertet zur Debatte.

Weibels Vertrag läuft bis 2009, er würde den "Traumjob" gern weitermachen. Und noch einen Wunsch hat er für die Technologie der Zukunft: Bildschirme so dünn und biegsam wie Papier. Die man falten und in die Hosentasche stecken kann. "Oder einfach zusammenknüllen und wegschmeißen." Noch ist das nicht machbar. Aber das ZKM arbeitet daran. (dpa/tc)

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