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China droht Internet-Adressenknappheit

26.09.2008 | 13:03 Uhr |

In etwas mehr als 800 Tagen werden neue Internet-Nutzer in China keinen normalen Zugang mehr bekommen können.

Dann wird der chinesische Vorrat an IP-Adressen für die Kommunikation zwischen Computern im Internet erschöpft sein. Das berichtet ChinaTechNews unter Berufung auf Zahlen des China Internet Network Information Center ( CNNIC ). Dem bereits zum Riesen unter den Internet-Nationen aufgestiegenen Land droht dadurch aber nicht unbedingt ein Internet-Armageddon. Der Umstieg vom aktuellen IPv4-Format für IP-Adressen auf das Nachfolge-Format IPv6 soll den Kollaps abwenden.

Dem CNNIC zufolge sollen bereits 80 Prozent der für China vorgesehenen IPv4-Adressen verbraucht sein. Dabei hat die Internet-Nutzung in China rapide zugenommen und seit Juli dieses Jahres ist das Land nach CNNIC-Angaben Internet-Nation Nummer eins. Durch den schnellen Verbrauch der im Internet wichtigen Ressource der IP-Adressen könnte das Land 2010 ins Schleudern geraten. Das deckt sich mit anderen Prognosen zur Entwicklung des IPv4-Adressraums, die ein Erschöpfen der Adressen-Vorräte regionaler Registries im Jahr 2011 befürchten. "Vorhersagen bleiben aber Vorhersagen", betont Daniel Karrenberg, Chief Scientist bei RIPE NCC , der regionalen Registry für Europa und Umgebung.

Als Lösung für das chinesische IP-Adressenproblem wird der designierte IPv4-Nachfolger IPv6 gehandelt, der einen deutlich größeren Adressenraum bietet. Die im Land in den letzten Jahren installierte IT-Infrastrukturausrüstung unterstütze beide Formate, berichtet ChinaTechNews. Die Anbieter würden mit der Verwendung von IPv6 beginnen, wenn erforderlich. Chinesische Nutzer müssten sich also keine Sorgen über den Internet-Zugang machen. Ob China wirklich so gut auf einen Umstieg vorbereitet sei, könne er zwar nicht beurteilen, so Karrenberg. "Es ist wahrscheinlich", dass eine Adressenknappheit in China hilft, IPv6-Bemühungen auch international voranzutreiben, meint allerdings der Experte. Um das globale Problem der IP-Adressenverknappung zu lösen, hatte sich im Mai dieses Jahres auch die OECD für IPv6 ausgesprochen. (pte/jp)

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