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Mobilfunk-Preissenkung in der Kritik

23.04.2009 | 18:43 Uhr

Die Mobilfunkbetreiber rechnen mit hohen Umsatzeinbußen wegen der vom Europäischen Parlament beschlossenen Senkung der Auslandsgebühren. Vertreter der EU und Analysten sehen das anders.

"Der Schritt war schon lange geplant und wird das Geschäft der Mobilfunker nicht gefährden", sagt Wolfgang Specht, Telekom-Analyst bei Sal. Oppenheim , im Gespräch mit pressetext. Die Gewinner seien in jedem Fall die Kunden, die künftig mit niedrigeren Gebühren für Telefonate im Ausland zu rechnen haben, so der Experte.

Ab 1. Juli 2009 - und damit rechtzeitig zur Urlaubszeit - werden die Maximalgebühren für Telefonate via Handy europaweit gesenkt. Darüber hinaus ist eine sekundengenaue Abrechnung ab der 31. Sekunde vorgeschrieben. In einem Kompromiss hat sich das Europäische Parlament gestern, Mittwoch, auf einen Entwurf geeinigt. In drei Schritten sollen die Gebühren etappenweise gesenkt werden. Ab 1. Juli dürfen die aktiven Gesprächsgebühren exklusive Mehrwertsteuer maximal 43 Cent pro Minute, ankommende Anrufe maximal 19 Cent kosten. Mit einem Zwischenschritt im Jahr 2010 werden die Gebühren am 1. Juli 2011 auf die finalen Kosten von 35 bzw. elf Cent gesenkt. Urlaubsgrüße per SMS schlagen sich schon in diesem Jahr mit lediglich elf Cent zu Buche.

Ebenfalls reguliert werden die in der vergangenen Zeit wiederholt kritisierten hohen Kosten für Datenroaming. Die Senkung erfolgt wie bei den Telefonaten in drei Schritten. Beginnend mit einem Euro pro Megabyte sollen die Maximalkosten 2010 mit 80 Cent und ab 2011 mit 50 Cent begrenzt werden. Des weiteren will die EU Rechnungs-Schocks künftig den Riegel vorschieben. Konsumenten sollen für sich eine maximale Obergrenze für die Kosten festlegen können. Bei Erreichen dieser gesetzten Marke wird der Datentransfer automatisch abgebrochen.

Von Seiten der Mobilfunk-Branche gab es schon im Vorfeld scharfe Kritik an den Regulierungsbestrebungen der EU. "Für die Kunden ist eine Preissenkung natürlich immer positiv. Allerdings verhindert die EU durch eine Regulierung der Endkundenpreise weiteren Wettbewerb zwischen den Betreibern", kritisiert Petra Jakob, Sprecherin von Orange Österreich. "Für die Mobilfunker bedeutet die weitere Absenkung der Roamingpreise weitere Umsatzeinbußen. Im vergangenen Jahr verlor die gesamte Branche in Österreich durch die Roamingregulierung rund 100 Mio. Euro, da die erwartete Mehrnutzung nicht eingetreten ist", so Jakob gegenüber pressetext. Für 2009 rechnet Orange mit ähnlichen Verlusten.

In Deutschland ist man innerhalb der Branche ebenfalls nicht besonders glücklich mit der Deckelung der Auslandspreise. Der Branche würden durch die EU-Politik Beträge in Mrd.-Höhe entgehen, die für den weiteren Ausbau der Infrastruktur benötigt werde, kritisierte BITKOM-Präsident August-Wilhelm Scheer auf der CeBIT. Zudem könne es nicht sein, dass internationale Roaminggebühren in manchen Ländern niedriger ausfallen als die nationalen Gebühren.

Derart negativ beurteilt Telekom-Analyst Specht die Mobilfunkregulierungen nicht. "Die Maßnahmen sind selbstverständlich politisch motiviert, um den Bürgern die Vorteile der europäischen Staatengemeinschaft zu zeigen. Sie gehen auch klar zu Lasten eines Wirtschaftszweiges, allerdings werden die Auswirkungen im Umsatz unter dem einstelligen Prozentbereich des EBITDA liegen", prognostiziert Specht. Der durch die Preissenkung ausbleibende Umsatz werde durch die Menge kompensiert. "Die Menschen werden mehr telefonieren, wenn die Preise niedriger sind." ( pte )

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