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Warner macht sich für Musik-Flatrate stark

28.03.2008 | 15:48 Uhr |

Man könnte meinen, bei der Musikindustrie setzt langsam aber sicher ein Umdenken ein. Nach jahrelangen Versuchen, Raubkopierer per Anwalt zur Räson zu bringen, spielen nun immer mehr Labels mit dem Gedanken einer pauschalen Musik-Flatrate. Nach Sony hat sich nun auch Warner diesbezüglich zu Wort gemeldet - allerdings weitaus radikaler.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie zahlen monatlich einen Betrag X, beispielsweise 5 Euro, an ihren Provider und dürften dann unlimitiert jeden Musiktitel herunterladen, nutzen und sogar tauschen. Klingt verrückt? An genau einem solchen Konzept arbeitet jedoch gerade die Warner Music Group, meldet der Finanzdienst Portfolio . Das Unternehmen hat hierfür Jim Griffin, einen Online-Veteranen, engagiert, der die Konzeption und den Aufbau des Projekts steuern soll.

In einem Interview mit Portfolio erläuterte Griffin, weshalb sich Warner zu einem solch radikalen Schritt (so er denn je in die Tat umgesetzt wird) entschieden hat: "Heutzutage ist es doch vollkommen freiwillig, ob für Musik bezahlt wird, oder nicht", so Griffin in Anspielung auf P2P-Börsen. Die Musikindustrie sei damit laut Griffin mittlerweile nichts weiter als eine übergroße Trinkgeld-Box. Auch sei aus seiner Sicht das Verklagen von Privatpersonen nicht der richtige Weg. Vielmehr solle man das Unvermeidliche akzeptieren und "die Anarchie im Internet monetarisieren", erklärte Griffin. Die Unternehmen müssten zudem lernen, Musik nicht mehr als Produkt, sondern als Service zu verstehen.

In der Praxis stellt sich der Konzern das Ganze folgendermaßen vor: Je nach Land und der dortigen Einkommenssituation soll ein "fairer" monatlicher Betrag festgesetzt werden, der direkt mit der monatlichen Rechnung an den Provider bezahlt wird. In den USA könnten dies 5 Dollar sein, in China vielleicht 25 Cent. Eine noch zu gründende Dachorganisation erhält diesen Betrag und verteilt ihn an Musikschaffende, Studios und sonstige Rechteinhaber.

Denkbar wäre auch, dass das Projekt über Werbung finanziert wird. Anwender könnten sich dann die monatliche Gebühr sparen und müssten sich dann Werbe-Spots oder Banner ansehen.

Dieser Punkt könnte implizieren, dass man daran denkt, Musik künftig über eine von allen Musik-Labels gemeinsam betriebene Plattform vertreiben möchte. Dann wäre auch ohne Probleme feststellbar, welche Songs besonders beliebt sind und entsprechend die Auszahlungsschlüssel gestalten. Damit das Projekt allerdings überhaupt aus der Phase der Gedankenspiele heraustreten kann, müssten sich alle Musiklabel darauf einigen, bei einer solchen Plattform mitzumachen.

Und auch bei anderen Unternehmen dürfte das Warner-Gedankenspiel auf wenig Gegenliebe stoßen. Denn Dienste wie der iTunes Music Store, Napster oder Musicload wären auf einen Schlag ihrer Existenzberechtigung beraubt.

Dennoch zeigen die Vorstöße der Industrie der letzten Woche, dass bei den Unternehmen offenbar ein Umdenken eingesetzt hat.

Kultur-Flat? Warum nicht?

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