Überwachung

GPS-Systeme im Kampf gegen Kinderschänder

Mittwoch, 02.09.2009 | 08:45 von pte
Das kürzliche Wiederauftauchen der vor 18 Jahren entführten und von ihrem Peiniger jahrelang missbrauchten Jaycee Lee Dugard schürt in den Vereinigten Staaten Diskussionen über Möglichkeiten zur Kinderüberwachung. Besonders GPS-basierte Systeme stehen dabei im Fokus besorgter Eltern, die ihre Kinder vor Entführern schützen wollen.
Aber auch Angebote von Mobilfunkanbietern können für die Ortsbestimmung des Nachwuchses herangezogen werden. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass das eigene Kind entführt wird, ausgesprochen gering ist, greifen doch zunehmend mehr amerikanische Eltern zu Systemen, die beim Abhandenkommen ihrer Sprösslinge Alarm schlagen, berichtet Cnet.

Derzeit sind in den USA mehrere Produkte verfügbar, die Kinder mittels GPS aufspüren. Das Amber Alert GPS 2G ist eines davon. Das kleine Gerät ist darauf ausgelegt, in einem Rucksack Platz zu finden oder um das Handgelenk des Kindes geschnallt zu werden. Es kommt mit einem Notfallknopf, der nach Betätigung im Fünf-Minuten-Takt Angehörige durch SMS- und E-Mail-Nachrichten über die Notlage des Kindes informiert. Auch die Definition sogenannter Sicherheitszonen ist möglich. Verlässt das Kind das zuvor festgelegte Areal, schlägt das GPS-System Alarm. "Ähnliche Systeme sind auch in Deutschland verfügbar, werden aber von Jugendschutzorganisationen kritisiert. Man könnte solche Aufspürungssysteme ja auch missbrauchen - das ist ein zweischneidiges Schwert", sagt Carl Bruhns, Mitgründer der Plattform Vermisste-Kinder . Nichts desto trotz sei aus einer derzeit auf der Internetplattform des Vereins durchgeführten Umfrage hervorgegangen, dass auch 60 Prozent der hiesigen Eltern Interesse an GPS-Überwachungssystemen haben. Nur neun Prozent sind strikt dagegen.

Ganz ähnlich wie das Amber-Alert-Gerät funktioniert der Worldtracker Enduro, der bei ähnlicher Größe mit einem besseren Akku aufwartet. Hält das Amber-Alert-Gerät mit einer Akkuladung nur rund zwölf Stunden, schafft es der Worldtracker auf etwa eine Woche Laufzeit. Günstig sind GPS-Systeme zur Kinderüberwachung jedenfalls nicht. Das Gerät von Amber Alert kostet 379, der Worldtracker immer noch 295 Dollar. Bei beiden Geräten kommen noch monatliche Gebühren für den Dienst hinzu - zwischen zehn und 50 Dollar pro Monat sind dafür zu berappen. "Die hohen Kosten könnten allerdings verhindern, dass weniger finanzkräftige Eltern derartige Systeme nutzen", kritisiert Bruhns.

In Deutschland gibt es ebenfalls GPS-Überwachungssysteme zu kaufen, die speziell auf den Schutz von Kindern ausgelegt sind, beispielsweise das iNanny familiy von Leoworx .

Neben eigens für diesen Zweck entwickelten GPS-Geräten können amerikanische Eltern ihre Kinder aber auch über das herkömmliche Mobilfunknetz überwachen. Die Anbieter AT&T, Verizon und Sprint haben Services im Angebot, die dem Auffinden von Familienmitgliedern dienen. Diese werden zwar nicht explizit als Schutz vor Kindesentführungen beworben, können durch Echtzeit-Positionsbestimmung und Alarmfunktionen aber auch hierfür nützlich sein. Derartige Services kosten in den USA monatlich zwischen fünf und zehn Dollar. Vergleichbare Dienste in Deutschland schlagen mit etwa 40 Cent pro Ortung zu Buche. Sie sind jedoch nicht so genau wie GPS.

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass das eigene Kind entführt wird, ähnlich gering wie die, von einem Blitz getroffen zu werden. Pro Jahr werden in den USA rund 800.000 Kinder als vermisst gemeldet. Der überwiegende Großteil dieser Kinder wird jedoch nicht von Dritten verschleppt, sondern reißt aus oder wird von Verwandten oder Bekannten entführt. Nur eine Minderheit von 115 Kindern pro Jahr wird tatsächlich von Fremden verschleppt. Angesichts der etwa 74 Mio. Kinder und Jugendlichen in den Vereinigten Staaten beträgt die Chance, Opfer einer Kindesentführung zu werden, Eins zu 644.000. Auch hierzulande ist die Gefahr relativ gering. "Von den jährlich 400.000 Vermissten Kindern in Deutschland tauchen 98 Prozent innerhalb von zwei Wochen wieder auf. Die restlichen zwei Prozent werden teils von getrennt lebenden Elternteilen ins Ausland verschleppt oder tauchen wirklich nicht wieder auf", sagt Bruhns. Derzeit werden in Deutschland rund 1.650 Kinder vermisst. Bruhns gibt auch zu bedenken, dass Tracking-Lösungen zwar den Aufenthaltsort entführter Kinder zu bestimmen vermögen, ein Verbrechen jedoch nicht verhindern können. "In vielen Fällen hätte ein GPS-System auch nicht mehr geholfen", sagt er. Nichts desto trotz greifen viele Eltern in den USA derzeit zu GPS- und Mobilfunksystemen, die beim Aufspüren ihrer Kinder helfen. So unwahrscheinlich es ist, dass einem Kind etwas ähnliches wie Jaycee Lee Durgard passiert, so beruhigt es Elternteile trotzdem, wenn ihnen ein GPS-System zusätzliche Sicherheit verschafft. (pte)

GPS-Tracker im Test: e-foxx Flixx findet gestohlene Autos wieder

Mittwoch, 02.09.2009 | 08:45 von pte
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (0)
214054