03.08.2000, 16:25

Panagiotis Kolokythas

Übereiltes Napster-Urteil?

Die Bezirksrichterin Marilyn Hall Patel hat im Fall Napster zu schnell zu Gunsten der RIAA entschieden und nicht wirklich alle Einwände von Napster berücksichtigt. Viele wichtige Argumente von Napster seien nicht beachtet worden. Das Verbot von Napster wäre damit voreilig beschlossen worden.
Die Bezirksrichterin Marilyn Hall Patel hat im Fall Napster zu schnell zu Gunsten der RIAA (siehe Glossar) entschieden und nicht wirklich alle Einwände von Napster berücksichtigt. Zu diesem Schluss kommt die amerikanische Internet-Zeitschrift "Industry Standard". In der Nachbetrachtung stellt das Magazin fest, dass beim Gerichtsbeschlusses vom letzten Mittwoch, Richterin Patel Argumente von Napster nicht berücksichtigt habe, die hätten beachtet werden müssen.
So habe die Richterin den Fall wohl eher auf die leichte Schulter genommen. Das Argument, Napster könne nicht nur für illegale Zwecke genutzt werden, überging Patel ebenso, wie das Argument, dass das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Werken erlaubt ist, solange diese für private Zwecke genutzt werden.
"Sie (Patel) hat zugunsten der Musikunternehmen entschieden, so als wäre es sicher, dass bei dem nahenden Gerichtsverfahren die RIAA wirklich den Fall auch gewinnen könnte", so der Industry Standard.
Sowohl die Musikindustrie, als auch die Künstler könnten irgendwann den Tag bereuen, an dem sie sich entschieden haben, gegen die Zukunft gerichtlich vorzugehen. Lieber hätten sie sich der Situation angepasst. Jemand der etwas kauft, müsse auch das Recht haben, mit seinem Eigentum machen zu können, was ihm gefällt - so sei es auch völlig legal, von einer gekauften CD eine Kopie auf Musik-Kassetten zu erstellen. Mit den Möglichkeiten des Internets seien aber auch neue Aspekte des Urheberrechtes entstanden, die noch nicht vom bisherigem Recht erfasst würden.
Zu den Fragen, die erst Gerichte entscheiden müssten, zählt der Industry Standard: Welche Art von Austausch von Musik-Stücken ist erlaubt? Müssen Service-Anbieter die Handlungen ihrer Nutzer überprüfen? Wie kann das Urheberrecht im globalen Netzwerk des Internets durchgesetzt werden? Möglicherweise seien auch neue Gesetze erforderlich.
Richterin Patel habe sich allerdings diese Fragen nicht gestellt. Stattdessen habe Patel es sich einfach gemacht, und per Beschluss einfach die Schließung von Napster gefordert. Trotz des frühen Stadiums des Verfahrens.
Einfach gerichtlich den Stecker herauszuziehen bei etwas, was viele Millionen Menschen mögen, könne nicht der richtige Weg sein. Ebenso sei es ein nicht erfüllbarer Traum, einfach den Austausch von Musikdateien im Internet stoppen zu wollen. Die RIAA mag eine Runde gewonnen zu haben. Doch jetzt stehe es unentschieden und es wird sicherlich eine lange Schlacht zwischen Napster und der Plattenindustrie geben. (PC-WELT, 03.08.2000, pk)
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