17.05.2011, 16:01

Panagiotis Kolokythas

Über 100.000 Opfer

Polizei gelingt großer Schlag gegen Internet-Betrüger-Bande

Dem Bayerischen Landeskriminalamt ist ein neuer Schlag gegen eine große Internet-Betrügerbande gelungen. Die Bande soll über 100.000 User geschädigt haben.

Die Masche der Internet-Betrüger: Sie boten in vielen Online-Shops gegen Vorkasse Waren an, die sie auch nach Erhalt des Geldes nicht lieferten. Seit eineinhalb Jahren ermittelten die Staatsanwaltschaft Augsburg und das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) gegen diese Bande. "Dieses Verfahren ist in Bezug auf die Enttarnung von Internettätern und in seiner Dimension bisher einzigartig", so Peter Dather, Präsident des Bayerischen Landeskriminalamts.
Die Ermittlungen begannen im September 2009, als sich ein Mitinhaber eines Unternehmens in Nördlingen bei der Polizei meldete, weil sich mehrere Personen bei ihm gemeldet hatten, die bei der Internetseite "ja-kaufen.com" Waren bestellt und bezahlt hatten, die dann anschließend nicht geliefert wurden. Im Impressum der Website, die mittlerweile nicht mehr online ist, wurde namentlich das Unternehmen des Mitinhabers genannt, der selbst aber in keiner Beziehung zu der Website stand.
In der Folge nahm das Bayerische Landeskriminalamt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Augsburg die Ermittlungen auf, die schließlich zur Operation unter dem Decknamen "EG Bazar" führten. Die Ermittlungen ergaben, dass die Internet-Bande seriös wirkende Online-Shops ins Internet stellte und dabei im Impressum die echten Daten ahnungsloser Firmen missbrauchten. Die Geschädigten akzeptierten die Zahlung gegen Vorkasse auf ein deutsches Konto. Diese Konten stellten wiederum von den Tätern angeworbene Finanzagenten zur Verfügung. Dabei handelte es sich laut Angaben des LKAs um Privatpersonen, die via Mail von den Internet-Betrügern geködert wurden, um ihr Konto gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen und die dort eingehenden Beträge weiterzuleiten. Diese Gelder landeten schließlich auf Konten in der Schweiz und in der Türkei.
Eine Auswahl der Internet-Shops, die die Betrügerbande ins Internet stellte und die mittlerweile nicht mehr online sind:
www.ewe-ewe.com
www.dress4style.com
www.elektro-grosshandel24.com
Um ihre Identität zu verschleiern, nutzten die Internet-Betrüger diverse Verschleierungstechniken. So kommunizierten sie beispielsweise untereinander nur über verschlüsselte Chats und versteckten sich in Bot-Netzen. Nach umfangreichen Ermittlungsarbeiten wurden bisher zwölf Tatverdächtige mit Wohnsitz in Deutschland ermittelt.
Auf Internet-Foren, in denen auf die Machenschaften der Internet-Betrüger hingewiesen wurde, übten die Betrüger massiven Druck aus. So worden diese beispielsweise per DDoS-Angriffen lahm gelegt oder deren Betreiber mit körperlichen Repressalien bedroht.
Am 11. Mai gelang der Polizei dann schließlich ein Schlag gegen die Internet-Betrüger-Bande. Über 170 Polizeibeamte durchsuchten bundesweit 29 Objekte und verhafteten 8 Personen im Inland, darunter die Drahtzieher der Bande.
Die Ermittler schätzen, dass die Internet-Betrüger rund 1000 Finanzagenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz für ihre Machenschaften nutzten.  Die Anzahl der Geschädigten wird im deutschsprachigen Raum auf rund 100.000 geschätzt. Die Schäden sollen in Millionenhöhe liegen. Den Internet-Betrügern droht nun ein Verfahren wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs. Den Mitgliedern der Betrügerbande droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren.
Das Landeskriminalamt weist auch darauf hin, dass im Web weiterhin Internet-Seiten der Internet-Betrüger-Bande erreichbar sind. Auf folgenden Websites sollte auf keinen Fall online eingekauft werden:
* www.usa-auto-kaufen.de
* www.luxus-ferienhaus24.de
* www.af-import-autohaus.de
Das Beispiel von www.usa-auto-kaufen.de erläutert das Bayerische Landeskriminalamt, mit welchen ausgefeilten Strategien die Internet-Betrüger vorgegangen sind:
Aktuell werden auf der Internetseite „www.usa-auto-kaufen.de“ vermeintliche US-Fahrzeuge zum Kauf angeboten. Unter dem Vorwand, dass diese Fahrzeuge erst importiert werden müssten und der Verkäufer eine Sicherheit benötige, verlangen die Täter eine Anzahlung von 25% des Verkaufspreises. Damit ein Geschädigter nicht zu argwöhnisch wird, hat die Bande eine Internetseite eines nicht existenten Rechtsanwaltes ins Netz gestellt, der als Treuhänder die Anzahlung entgegennimmt und das Geld angeblich erst bei Lieferung des Fahrzeuges freigibt. Der Rechtsanwalt ist erfunden, allerdings der Name nicht, denn der Name lautet auf einen der oben beschriebenen Finanzagenten, der das Geld dann an die Bande weiterleitet. Die Bande nutzte aber auch die Personalien eines echten Rechtsanwalts, der noch keinen Internetauftritt hatte. So kreierten sie eine Internetseite für den unwissenden Anwalt und hinterlegten dort ihre eigenen Kontaktdaten.
Damit die Onlineshops möglichst lange ein seriöses Bild abgaben, stellten sie in Bewertungsportale positive Bewertungen online und relativierten negative Berichte Geschädigter. Sie riefen sogar mehrere selbst gestrickte Bewertungsportale, wie z.B. „www.shopauskunft.net“ ins Leben, um ihrem Vorgehen einen guten Leumund zu geben, indem sie neben seriösen Angeboten ihre Fälschungen dort positiv darstellten.
Die Inhalte kopierten sie hierfür teilweise von der seriösen Seite www.shopauskunft.de.

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