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USA gewinnt Tauziehen

10.04.2001 | 11:29 Uhr |

Die von einem britischen Ehepaar über das Internet adoptierten US-Zwillinge Belinda und Kimberley müssen in ihren US-Heimatstaat Missouri zurückgebracht werden.

Die von einem britischen Ehepaar über das Internet adoptierten US-Zwillinge Belinda und Kimberley müssen in ihren US-Heimatstaat Missouri zurückgebracht werden.

Die Adoptiveltern Alan und Judith Kilshaw verloren am Montag vor dem High Court (Oberstes Zivilgericht) in London ihren Kampf um die jetzt neun Monate alten Mädchen. Über die Zukunft der Babys soll nach Anordnung des Richters nun ein Gericht in Missouri entscheiden.

"Es liegt nicht im Interesse der Zwillinge, sie an die Kilshaws zurückzugeben", urteilte der Richter. Sie sollten in den USA von Pflegeeltern betreut werden, bis die dortigen Gerichte endgültig entschieden haben. Die Vereinbarungen über den Abtransport der Babys aus Großbritannien sollten "geheim" bleiben, ordnete der Richter an, "so dass ihnen weiteres Leid erspart bleibt."

Judith Kilshaw (47), die nach britischen Medienberichten mit ihrem Mann Alan (45) in "schlampigen Verhältnissen" lebe und sogar der Hexerei zugesprochen haben soll, zeigte sich am Montag entsetzt über das Urteil. Sie verließ während der Verhandlung schreiend den Gerichtssaal und rief vor den wartenden Journalisten aus: "Es gibt keine Gerechtigkeit. Jetzt habt ihr, was ihr wolltet. Sie haben mich eine Lügnerin genannt."

Die Kilshaws hatten die Zwillinge im Januar nach Wales gebracht, nachdem sie einer US-Adoptivagentur über das Internet 8200 Pfund (24.600 Mark) für die Babys gezahlt hatten. Die Mädchen waren zu dem Zeitpunkt aber bereits von einem Ehepaar in Kalifornien adoptiert worden. Da dieses Paar aber lediglich 6000 Dollar (rund 12.000 Mark) bezahlt hatte, überredete die Leiterin der Adoptionsagentur die leibliche Mutter, die Zwillinge dem kalifornischen Paar wieder wegzunehmen und sie den Kilshaws zu geben.

Wegen der unklaren Rechtslage wurden die Zwillinge daraufhin von den Sozialbehörden in Wales in Vormundschaft genommen. Die Kilshaws klagten dagegen vor dem High Court.

Unabhängig von dem Rechtsverfahren in Großbritannien hatte ein US-Richter im Bundesstaat Arkansas im März entschieden, dass weder die Kilshaws, noch die leibliche Mutter der Kinder die rechtlichen Voraussetzungen für die in Arkansas genehmigte Adoption erfüllt hätten. Im Verlauf des gerichtlichen Tauziehens schalteten sich auch die leiblichen Eltern der Mädchen, Tranda und Aaron Wecker, in die Vorgänge um ihre Töchter ein. (PC-WELT, 10.04.2001, dpa/ lmd)

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