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Zwei Jahren Haft für Nigeria-Connection-Komplizin

26.06.2008 | 15:13 Uhr |

"Sie suchen einen Nebenjob?", "In Heimarbeit bis zu 4000 Euro monatlich verdienen?" - so oder so ähnlich lautet tausendfach verschickte Werbe-Mails für - auf den ersten Blick - Traumjobs. Wenig arbeiten und eine Menge verdienen. Doch glauben Sie nicht alles, was Sie lesen, ein solcher Job kann Sie schnell in den Knast bringen, wie ein aktueller Fall aus den USA zeigt.

In Nigeria arbeitet eine hoch professionalisierte Internet-Betrugsmaschinerie, ein Milliardengeschäft. Die Masche ist dabei immer ähnlich: Leichtgläubige Anwender werden per Spam-Mail dazu gebracht, Kontodaten preis zu geben, um vermeintliches Schwarzgeld aus einem Bürgerkriegsland zu schaffen, oder um die Einlösung von Schecks gebeten, gegen Provision versteht sich. Im Lauf der Jahre dürfte die so genannte Nigeria-Connection Unsummen verdient haben, ein Ende ist nicht abzusehen. Oft wird auch versucht, über ominöse Stellenanzeigen Mittelsmänner und -frauen zu finden, die vor Ort Geldüberweisungen von Betrogenen abwickeln und an die Hintermänner weiterleiten. Zuweilen wissen diese Personen zunächst überhaupt nicht, dass sie in illegale Machenschaften verwickelt sind. Was dann passieren kann, zeigt der Fall Edna F. aus den USA.

F. erklärte sich im März dieses Jahres für schuldig, US-Bürger mittels des so genannten "Nigeria Scheck-Betrugs" betrogen zu haben. Die Strafe für ihre Vergehen wurde nun auf zwei Jahre Gefängnis festgelegt. Nach ihrer Entlassung wird sie weitere fünf Jahre unter Beobachtung stehen.

Der Scheck-Betrug lief dabei folgendermaßen: Die Hintermänner in Nigeria suchten per Mail US-Anwender, die bereit waren, angebliche Schecks des Absenders einzulösen. Meist wird in diesen Mails irgendeine rührselige Geschichte erzählt, weshalb der Absender den Scheck nicht selbst einlösen kann und auf die Hilfe eines Unbekannten hoffen muss. Die Betrogenen haben dann - sofern sie einwilligten zu helfen - gefälschte Schecks zugeschickt bekommen. Hier kam F. ins Spiel. Sie erhielt die Adressdaten sowie die falschen Schecks aus Nigeria und leitete sie weiter. Die Schecks reichten dabei von gefälschten Wal-Mart Geldanweisungen, Bank of America Schecks und U.S. Postal Service Schecks bis hin zu American Express Traveler-Schecks.

Die Empfänger der Fälschungen haben die Schecks eingelöst und den entsprechenden Betrag (abzüglich Provision) an F. oder die nigerianischen Komplizen überwiesen. Das Problem: die Person, die die Schecks einlöst, ist verantwortlich für den Betrag, falls er platzt. Die Betrogenen mussten also nach kurzer Zeit den Schaden voll ersetzen.

Eine Razzia bei F. verdeutlichte, welche Ausmaße diese Betrugsmasche hat: So wurden in der Wohnung von F. gefälschte und zum Versand vorbereitete Schecks im Wert von 1,1 Millionen US-Dollar gefunden, F. gab außerdem zu, während ihrer Tätigkeit Schecks im Wert von 609.000 US-Dollar verschickt zu haben.

Auch an der Quelle des Problems versuchen Behörden anzusetzen: So hat der U.S. Postal Service kürzlich 15 Mitarbeiter nach Lagos, Nigeria geschickt, um die dortigen Behörden im Kampf gegen die Nigeria-Connection zu unterstützen. Innerhalb von drei Monaten fingen die Mitarbeiter vor Ort gefälschte Schecks, Lotterie-Lose und mehr im Gesamtwert von 2,1 Milliarden Dollar ab. Dies zeigt einmal mehr, dass diese Betrugsmasche noch lange nicht am Ende ist und Aufklärung nach wie vor der wichtigste Schutz vor dieser Betrugs-Masche ist.

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