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Sarah Palins Mail-Account gehackt

18.09.2008 | 13:31 Uhr |

Private Webmail-Accounts für vertrauliche Mail-Korrespondenz zu nutzen, kann gefährlich sein. Das musste jetzt die republikanische Anwärterin für das Amt des US-Vizepräsidenten feststellen.

Eine Hackergruppe, die sich selbst Anonymous nennt, ist in eines von zwei privaten Yahoo-Mailkonten der amerikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Sarah Palin eingedrungen und hat Teile der Korrespondenz im Internet veröffentlicht. Auf der Website Wikileaks wurden aus dem Mail-Account gov.palin@yahoo.com persönliche Fotos, Screenshots von Mail-Nachrichten und das Mail-Adressbuch von Palin gepostet.

Viel Brisantes findet sich dabei allerdings nicht. Auf einem der Screenshots ist eine kurze Korrespondenz zwischen Palin und Sean Parnell zu sehen, der mit dem Demokraten Ethan Berkowitz um Alaskas einzigen Sitz im Kongress kandidiert. In ihrer Antwort nannte Palin die Kommentare des konservativen Radiomoderators Dan Fagan über Parnell „inkonsequent und absichtlich irreführend“.

Ein anderer Screenshot zeigt eine Nachricht von Amy McCorkell, die Palin im Oktober 2007 in das Advisory Board on Alcoholism and Drug Abuse berufen hatte. Darin schreibt McCorkell: „Ich lese die Zeitung, und all meine Gedanken und Gebete sind bei dir. Lass dich von der negativen Presse nicht herunterziehen. Und bete auch für mich. Ich brauche Kraft, um meinen Job zu behalten und mich nicht entscheiden zu müssen. In letzter Zeit bete ich nur darum, dass Gottes Wille geschehe.“

Am Tag zuvor hatte die New York Times Palin Amtsmissbrauch vorgeworfen. In dem Artikel wurde McCorkell zwar nicht genannt, dafür aber behauptet, Palin habe mindestens fünf ihrer früheren High-School-Kameraden in den Staatsdienst gebracht.

Palin war bereits in die Kritik geraten, weil sie private Mail-Accounts für ihre Regierungsgeschäfte genutzt hatte – vermutlich, um so der Archivierungspflicht für Mails zu entgehen, die das amerikanische Gesetz vorschreibt. Ähnlichen Vorwürfen muss sich auch die Regierung von George Bush stellen.

Sicherheitsexperten können über das Verhalten nur den Kopf schütteln. „Private Mail-Accounts für Regierungs- oder geschäftliche Zwecke zu nutzen, ist unglaublich gefährlich“, erklärt Adam O’Donnell vom Sicherheitsanbieter Cloudmark . „Nicht ohne Grund gibt es offizielle Mailkonten, denn hier kann entsprechende Sicherheitsmaßnahmen treffen.“

Das Republican National Committee und die McCain/Palin-Wahlkampagne gaben bislang noch keine offizielle Stellungnahme ab.

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