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US-Soldaten üben Völkerverständigung mit Unreal Tournament-Variante

21.02.2006 | 12:31 Uhr |

Viele Missverständnisse zwischen den US-Truppen und der irakischen Bevölkerung ließen sich vermeiden, wenn die GIs die Körpersprache der Iraker besser kennen würden. Genau das sollen die amerikanischen Soldaten jetzt mit Hilfe eines Computerspiels lernen - das sinnigerweise auf einem Ego-Shooter basiert.

Für einen GI aus Texas oder Florida wirkt das Land zwischen Euphrat und Tigris wie ein fremder Planet. Umgekehrt dürften die US-Soldaten vielen Irakern wie Wesen von einem anderen Stern erscheinen. Denn abgesehen von der Sprach-Barriere sind auch die zwischenmenschlichen Umgangsformen völlig unterschiedlich. Prompt kommt es zu schweren Missverständnissen, die das ohnehin schon angespannte Klima zusätzlich belasten. Hier setzt ein neues Computerspiel der US-Armee an: Spielerisch sollen die Soldaten damit die Körpersprache der Iraker erlernen, wie BBC online berichtet.

Das Ziel des Spiels lautet: Das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung gewinnen. Dazu muss sich der Spieler verbaler und nonverbaler Kommunikation bedienen. Es genügt also nicht, nur ein paar Wortfetzen oder Satzbausteine auf Arabisch zu lernen (obwohl die Software auch Sprachkenntnisse vermittelt), sondern auch die Körperhaltung der Iraker im Spiel richtig zu verstehen und sich seinerseits richtig zu bewegen.

Das Spiel - oder besser gesagt: das Trainings-Tool - mit dem Namen "Tactical Iraqi" soll bereits von Marines zur Vorbereitung auf deren Einsatz im Irak mit Erfolg eingesetzt worden sein, wie ein Entwickler der Software erklärte. Allerdings schweigt sich der Befragte darüber aus, wie sich denn der "große Erfolg" in der Realität niederschlägt.

Die US-Soldaten üben mit "Tactical Iraqi" beispielsweise die Auf- und Abbewegung der rechten Hand. Damit fordert man jemanden zum Anhalten auf. Außerdem lernen die Soldaten, ihre Sonnenbrillen abzunehmen, wenn sie sich Einheimischen nähern.

Wie einer der Softwareentwickler erläutert, würde die Körpersprache im Orient eine viel größere Bedeutung als in der westlichen Zivilisation besitzen. Araber pflegen eine viel dynamischere, offenere Körpersprache als es die Amerikaner gewohnt sind. Wer seine Körpersprache aber sehr beherrscht beziehungsweise zurückhaltend einsetzt, erwecke bei einem Einheimischen den Eindruck, dass er etwas verbergen möchte. So ein Missverständnis könnte bei einer ohnehin schon angespannten Situation zur Eskalation führen, wie ein Wissenschaftler erläutert.

Ein grundsätzlicher Unterschied ist auch die körperliche Nähe, wie sie im Orient praktiziert wird. Während Amerikaner (und auch viele Europäer) im Gespräch normalerweise eine gewisse Mindestdistanz zum Gegenüber wahren, kommen sich Araber körperlich viel näher. Auch das sollen die GIs am PC trainieren. Insbesondere sollen die Soldaten dafür sensibilisiert werden, dass es keineswegs immer eine Gefahr darstellt, wenn ein Araber einem Soldaten körperlich sehr nahe kommt. Außerdem wird den Soldaten beigebracht, dass es von Arabern als aggressiver Akt interpretiert werden könnte, wenn ein Soldaten auf einen Iraker mit dem Finger zeigt.

Ironie am Rande: "Tactical Iraqi" soll dem Bericht zufolge ausgerechnet auf der Engine von Unreal Tournament basieren. Die US-Soldaten lernen also den freundlichen und hoffentlich richtigen Umgang mit Irakern auf der technischen Basis eines Ego-Shooters.

Die Forscher von der Universität von Südkalifornien , die das Spiel zusammen mit dem Defence Advanced Research Projects Agency (Darpa) (einer Forschungs-Abteilung des US-Verteidigungsministeriums) entwickelt haben, arbeiten bereits an neuen, regional spezialisierten Varianten. So sollen amerikanische Soldaten mit dem Ableger "Tactical Pashto" den Umgang mit Afghanen erlernen. "Tactical Levantine" soll Sprache und Verhalten im Libanon und den daran angrenzenden Gebieten näher bringen.

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