2092790

US-Marine bezahlt Microsoft für Windows-XP-Patches

23.06.2015 | 16:02 Uhr |

Die kampfstarke US-Marine setzt nach wie vor auf Windows XP. Und zahlt dafür extra einige Millionen Dollar an Microsoft.

Erst kürzlich machte die Meldung die Runde, dass deutsche Behörden wie die Verwaltung von Berlin noch auf Windows XP setzen. Und mit der Benutzung des von Microsoft nicht mehr unterstützten Betriebssystems entweder gravierende Sicherheitslücken in Kauf nehmen oder aber Riesensumme für Extra-Support an Microsoft bezahlen. Doch dieser Sonderweg einiger deutscher Bundesbehörden ist noch nichts gegen die Kriegsmarine der Vereinigten Staaten von Amerika, die sogar über U-Boote mit Atomwaffen verfügt. Denn auch die US-Marine setzt immer noch Computer mit Windows XP ein.

Das "Amphibische Angriffsschiff" (eine Art Hubschrauberträger mit Landungsbooten) USS Bonhomme Richard feuert eine RIM-7 Sea Sparrow-Flugabwehr-Rakete ab.
Vergrößern Das "Amphibische Angriffsschiff" (eine Art Hubschrauberträger mit Landungsbooten) USS Bonhomme Richard feuert eine RIM-7 Sea Sparrow-Flugabwehr-Rakete ab.
© US Navy

Bis zu 100.000 Navy-Rechner laufen noch immer mit Windows XP.  Konkret handelt es sich dabei um das Kommunikations- und Nachrichtensystem der US-Marine, das so genannte Space and Naval Warfare Systems Command. Dieses als SPAWAR abgekürzte System hat kürzlich einen Vertrag mit Microsoft unterzeichnet. Darin verpflichtet sich die US-Marine 9,1 Millionen US-Dollar an Microsoft zu bezahlen. Im Gegenzug erklärt sich Microsoft bereit, weiterhin Sicherheits-Patches für Windows XP, Office 2003, Exchange 2003 und Windows Server 2003 auf den Rechnern der Navy bereit zu stellen. Die Summe, die die US-Marine an die Redmonder Software-Schmiede zahlt, kann noch bis auf 30,8 Millionen Dollar ansteigen. Der Wartungs-Vertrag läuft bis zum Jahr 2017.
 
Für Windows XP, Office 2003 und Exchange 2003 stellt Microsoft grundsätzlich keine Updates mehr bereit. Und für Windows Server 2003 wird Microsoft am 14. Juli 2015 die letzten Sicherheits-Updates veröffentlichen, danach ist auch hier Schluss. Außer eben für die US-Marine.

Ein IT-Offizier der US Navy im Einsatz am Space and Naval Warfare Systems Command (SPAWAR).
Vergrößern Ein IT-Offizier der US Navy im Einsatz am Space and Naval Warfare Systems Command (SPAWAR).
© US Navy

Nun ist es keineswegs so, dass die US-Marine mit dem Umstieg von Windows XP nicht schon begonnen hätte. Ganz im Gegenteil ersetzt die Marine seit 2013 nach und nach ihre Windows-XP-Oldies durch Rechner mit neuen Betriebssystemen. Doch bis Mai 2015 waren immer noch rund 100.000 XP-Maschinen nicht ersetzt. Das Problem besteht darin, dass die Marine eine Reihe von Spezial-Programmen nutzt, die nur auf Windows XP laufen und nicht so ohne weiteres auf andere Betriebssysteme krisensicher und absolut zuverlässig übertragen werden können. Bis diese Spezial-Anwendungen aktualisiert sind, dauert es noch einige Zeit. Und so lange muss Microsoft noch Sicherheits-Update liefern.
 
So ganz allein ist die US-Marine mit ihrem Einsatz von Windows XP aber nicht. Laut den Webanalysten von StatCounter läuft Windows XP immer noch auf zehn Prozent aller von StatCounter ausgewerteten Rechnern, die Internet-Traffic verursachen. Net Applications ermittelt sogar einen XP-Anteil von 14 Prozent.
 

0 Kommentare zu diesem Artikel
2092790