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US-Geheimdienst zapft Server von Microsoft, Google & Co an

07.06.2013 | 09:55 Uhr |

Die Aufregung in den USA ist groß: Der US-Geheimdienst NSA soll Millionen von US-Internetnutzer bespitzelt haben und sich dazu einen direkten Zugriff auf die Server der neun größten US-Internet-Unternehmen verschafft haben.

Laut einem Bericht der Washington Post  haben sowohl das FBI als auch der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) möglicherweise einen direkten Zugriff auf die Server der neun wichtigsten US-Internet-Unternehmen. Die Zeitung ist in den Besitz eines als "Top Secret" eingestuften Dokuments gelangt, in dem Details zu einem Projekt mit dem Codenamen "PRISM" genannt werden.

Laut diesem Dokument haben die Behörden damit einen direkten Zugriff auf alle Daten, die bei den betreffenden Unternehmen über die Server laufen. Also auch auf alle Audio- und Video-Chats, Dokumente, Mails und Verbindungsdaten. Zu den betroffenen Unternehmen gehören neben Microsoft und Google auch Yahoo, Facebook, PalTalk, AOL, Skype, Youtube und Apple.

Die Ausspähen der Daten erfolge aufgrund des noch unter der Ära des Präsidenten George W. Bush im Jahr 2007 initiierten geheimen Programms mit dem Codenamen PRISM, das als streng geheim eingestuft sei und daher auch gegenüber der Öffentlichkeit noch niemals bestätigt worden sei.

Die Post weist aber auch darauf hin, dass der Autor des geheimen Dokuments etwas ungenaue Angaben darüber mache, ob die Behörden tatsächlich einen direkten Zugriff auf die Server der Unternehmen haben oder ob die Informationsbeschaffung über einen Umweg erfolgt.

Zu den ersten Teilnehmern an PRISM soll laut dem Dokument 2007 das Unternehmen Microsoft gehören. In den folgenden Jahren seien dann Yahoo (ab 2008) und Google (ab 2009) gefolgt. Seit Oktober 2012 seien auch AOL, Apple, Facebook, Skype, PalTalk und Youtube bei PRISM beteiligt. Laut den geheimen Dokument werden 98 Prozent der über PRISM gesammelten Daten bei Yahoo, Google und Microsoft gesammelt. 

Google, Facebook und Apple haben sich mittlerweile als Erste öffentlich geäußert und jede Teilnahme an PRISM dementiert und weisen darauf hin, dieses Projekt nicht einmal zu kennen. Außerdem wiesen die Sprecher darauf hin, dass man keiner US-Regierungsbehörde einen direkten Zugriff auf seine Server erlaube. Wenn eine Behörde Informationen benötige, dann würden diese nur nach den geltenden Gesetzen und einer richterlichen Anordnung übergeben.

Die Bürgerrechtsorganisation EFF (The Electronic Frontier Foundation) äußerte Bedenken, ob die Reaktionen der Unternehmen, die sich bereits zu PRISM geäußert haben, tatsächlich korrekt sind. "Sie alle sagen nur, dass sie keinen direkten Zugriff auf ihre Server anbieten, aber vielleicht bieten sie die Daten über eine API an, was dann indirekt wäre", sagte ein Anwalt der Aktivisten und fügte hinzu: "Irgendjemand irgendwo in diesen Unternehmen wusste was da passiert."

Der Bericht der Washington Post folgt nur wenige Stunden nachdem am Donnerstag bekannt geworden war, dass der US-Geheimdienst Millionen von Telefondaten sammelt. Die britische Zeitung "The Guardian" hatte über ein Urteil eines geheimen US-Gerichts berichtet, dass den Telefonanbieter Verizon dazu verdonnert hat, die Daten seiner Telefonkunden an den US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) weiterzuleiten.

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