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UPDATE: Citrix kauft Xensource für 500 Millionen Dollar

16.08.2007 | 12:40 Uhr |

Einen Tag nach dem spektakulären Börsengang von VMware gibt Citrix seinen Übernahmeplan bekannt. Daraus ergibt sich ein neuer Dreikampf in Sachen Virtualisierung: Citrix gegen VMware gegen Microsoft.

Es passt zu diesem virtuellen Sommer. Er bereitet innerhalb dreier Tage drei Nachrichten, die das Hype-Thema Virtualisierung noch heißer machen: Erst holt Xensource Enterprise mit Version 4 deutlich auf VMware auf. Tags darauf gelingt dieser VMware ein spektakulärer Börsengang. Und einen Tag später verkündet Citrix die Übernahme von Xensource. Der Spezialist für Server-based Computing zahlt dafür eine halbe Milliarde Dollar, zu etwa 60 Prozent in Form eigener Aktien.

Der Kaufpreis ist, obwohl er sich neben dem Zwei-Milliarden-Dollar-Börsengang von VMware bescheiden ausnimmt, für Citrix eine gewaltige Nummer. Denn er beläuft sich auf fast die Hälfte des letzten Jahresumsatzes von Citrix. Und er ist der größte in der Geschichte des Unternehmens, das für Firmenkäufe in den letzten vier Jahren rund 700 Millionen Dollar ausgegeben hat, davon 302 Milliarden Dollar für seine bisher voluminöseste Übernahme, der von Netscaler im Jahr 2005.

Die teure Übernahme beschert dem Käufer vordergründig zusätzliche Xensource-Einnahmen von "wenigen Millionen Dollar", wie Citrix-Financhef David Henshall die bisher unbekannten Umsätze des Open-Source-Virtualisierers eingrenzte. Doch weil zum bisherigen Xensource-Partnernetz nun die mehr als 5000 Citrix-Verkaufspartner hinzukommen, soll sich das schnell ändern. Im Jahr 2008 soll Xensource 50 Millionen Dollar Umsatz beitragen. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Denn Xensource wird laut Henshall auch 2008 noch 60 bis 70 Millionen Dollar für Entwicklung und den Aufbau des Vertriebsnetzes verschlingen.

Xensource wird als eigenständige Abteilung in die neue Muttergesellschaft eingegliedert. Geleitet wird sie vom bisherigen Xensource-CEO Peter Levine, der künftig direkt an Citrix-Chef Mark Templeton berichten wird. Die 80 Mitarbeiter des Virtualisierers werden weiterbeschäftigt.

Xensource, registriert im kalifornischen Palo Alto, ist aus einem Forschungsprojekt der englischen Universität Cambridge hervorgegangen. Hier entstand der Hypervisor Xen, die Open-Source-Engine der Virtualisierungslösung. Mit diesem Kernel vertreibt Xensource als Open Source kommerziell – nach Firmenangaben bei weltweit 650 Kunden – die Lösung "Xensource Enterprise" und deren Mittelstandsausgabe "Xensource Server". Beide sind soeben in Version 4 erschienen, welche den Abstand zu den marktführenden VMware-Lösungen deutlich verringert haben. Darunter angesiedelt ist das kostenlose und ebenfalls quelloffene "Xen Express", in seiner Leistung auf 4 GB Speicher, vier virtuelle Maschinen und ein Single-Server-Interface begrenzt.

An diesem Angebotsspektrum soll die Übernahme nach Angaben von Citrix vorerst nichts daran ändern. Auch die Entwicklung der Xen-Engine, dem Kern der Lösungen, soll ein Open-Source-Projekt bleiben. Dieses wird geleitet vom Xensource-Mitbegründer Ian Pratt. Es soll nach Citrix-Ausführungen "weiterhin transparent, fair und herstellerneutral arbeiten".

Bisher hat Citrix nicht genauer ausgeführt, wie es die Xensource-Produkte in das eigene Portfolio eingliedern will. Es hieß lediglich, man wolle Xen Enterprise 4 mit der eigenen Desktop-Provisioning-Lösung "Citrix Desktop Server" kombinieren. Außerdem ließe sich Xen Enterprise um die Citrix-Lösungen "Edgesight" (für das Monitoring), "Access Gateway" (Zugangskontrolle) und "WANscaler" (zur Integration von Niederlassungen) erweitern.

Mit der Xensource-Übernahme positioniert sich Citrix frontal gegen VMware. Dieser Pionier für x86-Virtualisierung war schon der Hauptgegner von Xensource. Das hatte Xensource-Mitgründer und -CTO Simon Crosby anlässlich Vorstellung der Versionen 4 von Xensource Enterprise und Server noch einmal betont: "Schlag für Schlag verbessern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber VMware."

Umgekehrt hatte sich VMware Anfang Juni direkt gegen Citrix in Position gebracht: Das Unternehmen kaufte für 25 Millionen Dollar das britische Softwarehaus Propero, dessen "Connection Broker" organisieren, welche virtuelle Desktop-Maschine den jeweiligen Anwendern zur Verfügung gestellt werden ( mehr dazu hier ). Damti war klar, dass VMware das Hype-Thema der Desktop-Virtualisierung nicht dem Platzhirsch Citrix überlassen will.

(Ausführlicher in Kürze; ls)

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