233979

Analyst hält Konzept des Versand-Katalogs für überlebensfähig

20.10.2009 | 12:47 Uhr |

Das offizielle Aus des 82-jährigen Traditionsversandhauses Quelle hat die deutsche Einzelhandelslandschaft erschüttert. Ein Ende des über Jahrzehnte erfolgreichen Geschäftsmodells ist Experten zufolge damit dennoch nicht besiegelt.

"Der Versandhandelskatalog ist noch längst nicht am Ende", meint Patrick Müller-Sarmiento, Einzelhandelsexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger . Gerade Spezialversender seien bei den Verbrauchern nach wie vor beliebt.

An der nunmehr unvermeidbaren Abwicklung des Handelsriesen Quelle wird zwar die Krise der Katalogversand-Branche deutlich. "Beim Universalversand ist das Thema durch", sagt Müller-Sarmiento. Spezialversender blieben hingegen ein Wachstumssegment. Obwohl Quelle für die spezialisierten Marken Baby-Walz, Elégance oder Hess Natur bisher keine konkreten Kauf-Offerten vorliegen, rechnen Insider damit, diese leichter veräußern zu können als die gesamte Gruppe inklusive des angeschlagenen Quelle-Versands.

Katalog bleibt trotz Internet Umsatzbringer

"Der Katalog kommt bei den Verbrauchern noch immer gut an. Solange er keine überdimensionalen Ausmaße hat, bleibt er gefragt", betont Müller-Sarmiento gegenüber pressetext. Eigenen Angaben zufolge verlagert sich das Geschäft aber auch bei Konkurrenten wie Otto zunehmend hin zum Online-Handel. Die Ausfälle aus dem Katalog-Geschäft konnte der Handelsriese im Internet offenbar besser kompensieren als Quelle.

Das Versandhaus rechnet in diesem Jahr mit einem "satten Umsatzplus". 60 Prozent davon stammen mittlerweile jedoch aus dem Internet-Verkauf. Dem traditionellen Katalog werde man dennoch treu bleiben, solange er zu Absatzsteigerungen beiträgt. "Das Versandhandelsgeschäft wird auch in Zukunft nicht zur Gänze über das Internet abgewickelt", so Müller-Sarmiento.

7000 Mitarbeiter verlieren Jobs

Wie der Insolvenzverwalter der Quelle-Mutter Arcandor gestern, Montagabend, mitteilte, ist die Rettung des Konzerns mangels Übernahmeinteressenten für die Quelle-Dachgesellschaft gescheitert. Bis zur Angebotsfrist am Wochenende sei keine Offerte eingegangen. Rund 7.000 verbliebene Mitarbeiter droht angesichts der Liquidierung des Unternehmens nunmehr die Arbeitslosigkeit.

Nach dem Scheitern einer Komplettübernahme wird in weiterer Folge der Verkauf der einzelnen Unternehmen und Spezialversender angestrebt. Nach Medieninformationen liegt bisher ausschließlich ein Gebot durch den Finanzinvestor Golden Gate für den Shopping-Sender HSE24 vor. Quelle-Konkurrent Otto hatte jedoch schon vor wenigen Monaten Interesse an den einzelnen Töchtern der Quelle-Gruppe sowie dem nach wie vor stabilen Auslandsgeschäft bekundet. (pte)

0 Kommentare zu diesem Artikel
233979