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Bank of New York Mellon verliert 4,5 Mio. Kundendaten

02.06.2008 | 13:30 Uhr |

Die Bank of New York Mellon hat den Verlust eines vertraulichen Magnetbandes bestätigt, auf dem Datensätze von 4,5 Mio. Kunden gespeichert waren. Wie der Finanzriese berichtet, sind die sensiblen Daten bei einem Transport auf bisher ungeklärte Weise abhanden gekommen und bis dato unauffindbar.

Datenschützer kritisieren den Fall, da die Kundeninformationen ersten Erkenntnissen nach in keiner Form verschlüsselt gewesen sein sollen. Wie zuletzt bekannt wurde, soll sich das Malheur schon Ende Februar zugetragen haben. Obwohl die Bank bisher beschwichtigt und von einem einmaligen Ausrutscher spricht, soll es Insidern zufolge noch weitere Zwischenfälle rund um die Sicherheit von Kundendaten gegeben haben. "Dieser Fall überrascht mich nicht. Schließlich ist der Datenverlust eine Begleiterscheinung der modernen Informationsgesellschaft", sagt Hans Zeger, Obmann der Arge Daten , im Gespräch mit pressetext.

Im Detail sollen die Daten Informationen wie die Vor- und Nachnamen, das Geburtsdatum sowie die Sozialversicherungsnummern der Bankkunden umfassen. Obwohl noch keine missbräuchliche Verwendung der Daten festgestellt werden konnte, bietet die Bank den Betroffenen als Vorsichtsmaßnahme eine sofortige Überwachung ihrer Konten für die kommenden zwei Jahre an. "Dieses Monitoring, das Kunden nun 'angeboten' wird, sollte man normalerweise von vornherein erwarten dürfen. Daher fordern wir eine Verständigungspflicht, sobald man darüber Bescheid weiß, dass Kundendaten verloren wurden. Zusammen mit abschreckenden Sanktionen für die, die mit personenbezogenen Daten hantieren, erhöht sich die Transparenz", so Zeger auf Nachfrage von pressetext. Zudem will man den Fehler mit einer individuellen Versicherung bei Identitätsdiebstählen ausbügeln. Vorgesehen ist, dass Schäden in Höhe von je 25.000 Dollar abgesichert werden.

Dennoch stellt der aktuelle Vorfall nicht den ersten dieser Art dar. Bereits im April war eine Datensicherung mit gescannten Schecks sowie anderen wichtigen Dokumenten auf ebenfalls ungeklärte Weise verschwunden. Eine bereits damals angekündigte Verbesserung der Transportsicherheit hat demnach scheinbar noch immer nicht stattgefunden. Anders ließe sich der erneute Verlust solch hochsensibler Daten nicht erklären, kritisieren Experten. Auch die eigens eingerichtete kostenlose Hotline zur Meldung illegaler Nutzungen der Daten werden von Datenschützern als Tropfen auf den heißen Stein bewertet. Unterdessen hat das Unternehmen Ermittlungen eingeleitet, die sich vorrangig auf die US-Transportfirma Archive America konzentrieren. Auch hat sich Richard Blumenthal, Generalstaatsanwalt von Connecticut, persönlich in das laufende Verfahren eingeschaltet und zeigt sich erbost darüber, dass die Bank gegenüber den Kunden nicht unverzüglich reagierte.

Der Unmut bei den Bankkunden wächst. So haben mittlerweile 40 Kontoinhaber die Causa ihren Anwälten übergeben. Blumenthal nach ist es unverständlich, warum die Bank inzwischen nicht schon auf ein modernes und sicheres Verschlüsselungssystem zurückgegriffen hat. Das Institut wirbt gegenwärtig mit "signifikanten Schritten bei der Verbesserung bestehender Schutzmaßnahmen und dem Schutz der Kunden". "Nicht nur Banken, sondern alle Unternehmen haben bei der Speicherung kundenbezogener Informationen eine besondere Sorgfaltspflicht zu erfüllen. Aber wenn selbst große österreichische Banken noch immer ihre Datenbänder mit der Post und/oder Botendiensten verschicken, wird dies auch weiterhin ein hohes Risiko darstellen und Nachbesserungen durch den Gesetzgeber erfordern", unterstreicht Zeger abschließend. (pte)

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