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Falsch konfigurierter Laptop zerstört Leben

20.06.2008 | 09:55 Uhr |

Beim Kauf eines Computers ist nicht gleich damit zu rechnen, dass dieser ein Leben zerstören kann. Doch: Es ist möglich, wie Michael Fiola am eigenen Leib spüren musste.

Als der Regierungsmitarbeiter Michael Fiola vom Commonwealth of Massachusetts im November 2006 ein Dell-Notebook erhielt, löste dies eine Kettenreaktion aus, die sein Leben zerstörte. Er verlor seinen Job, seine Freunde sowie ein ganzes Jahr seines Lebens, nachdem er beschuldigt wurde, Kinderpornografie auf sein Laptop geladen zu haben.

Eine erste Untersuchung der staatliche Behörden war nämlich zum Ergebnis gekommen, dass er Kinderpornografie auf sein Laptop geladen habe. Erst als eine forensische Expertin das Laptop zum zweiten Mal im Frühjahr 2008 untersuchte, kam es zur Wende in dem Fall: Die Expertin fand heraus, dass bei dem Laptop der Microsoft System Management Server (SMS) außer Kraft gesetzt war, genau wie Anti-Malware-Programme. Viren und anderes digitales Ungeziefer waren auf dem Laptop gelandet und hatten die Bilder mit Kinderpornografie über das Netz auf Fiolas Rechner geladen.

Letzte Woche wurde die Anklage gegen Fiola aufgrund mangelnder Beweise endlich fallen gelassen. Dem Mann hätten sonst bis zu zweieinhalb Jahre Gefängnis gedroht.

Im folgenden Abschnitt lesen Sie einen Auszug aus dem Telefon-Interview, das Fiola dem IDG News Service (das ebenso wie PC-WELT zu IDG gehört) gegenüber gab:

IDGNS: Haben Sie irgendetwas merkwürdiges bemerkt, als Sie das Laptop in Verwendung nahmen?

Fiola: Überhaupt nicht. Ich bin kein wirklich Computer-erprobter Nutzer. Ich komme rein, checke meine Mails. Ich spiele nicht, gehe in keine Chat-Rooms. Ich hab es [das Laptop] nur für meine Arbeit verwendet.

IDGNS: Wann wurde Ihnen bewusst, dass es ein Problem gibt?

Fiola: Als sie mich im März gefeuert haben.

IDGNS: Was geschah?

Fiola: Mein Boss hat mich um 9 Uhr morgens in sein Büro gerufen. Mein direkter Vorgesetzter und der Personal-Chef waren da. Sie reichten mir einen Brief und sagten, "Sie sind gefeuert, weil Sie die Benutzerregelung für Computer verletzt haben. Sie haben Kinderpornografie auf Ihrem Rechner. Sie sind gefeuert. Räumen Sie Ihren Schreibtisch. Gehen Sie schon."

IDGNS: Was war Ihre Reaktion?

Fiola: Ich war schockiert. Ich hätte so etwas nie erwartet.

IDGNS: Wie hat das Ihr Leben verändert?

Fiola: Es war furchtbar. Kein Gehaltsscheck mehr. Ich habe alle meine Sozialleistungen verloren. Mein Versicherung. Meine Frau ist sehr verständnisvoll. Sie hat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und einen Anwalt besorgt. Ich war paralysiert. Ich konnte nichts tun. Das Gefühl ist nicht beschreibbar. Ich würde das nicht einmal meinem ärgsten Feind wünschen. Wenn man jemanden bei einem Autounfall umbringt, dann kommen hinterher Leute, die mit einem Reden. Alle unsere Freunde haben uns verlassen. Die einzigen, die zu mir standen, war meine Familie. Zu mir hielten mein Vater, die Eltern meiner Frau, meine Stieftochter und ein guter Freund von uns. Das war´s auch schon. Niemand hat angerufen. Wir haben viele Wochen daheim weinend verbracht. Ich bin 53 Jahre alt und ich glaube ich habe noch nie so viel geweint, wie in den letzten 18 Monaten.

IDGNS: Was glauben Sie, ist passiert?

Fiola: Es war entweder eine Hacking-Attacke oder mein Computer wurde zwischenzeitlich gestohlen. Der neue Computer wurde vielleicht mit dem Zeug beladen. Ich beschuldige niemanden, aber sollte es jemand in der IT-Abteilung gewesen sein, hatten sie womöglich keine Chance mehr das Zeug vom Rechner herunterzunehmen.

IDNS: Die rechtlichen Anschuldigungen gegen Sie wurden fallen gelassen. Wie sieht's mit Ihrem Job aus?

Fiola: Ich werde nie wieder für sie [Behörde für industrielle Unfälle] arbeiten. Ich würde nie für einen Arbeitgeber arbeiten, der seine Angestellten nicht beschützt. Ich haben das Gefühl, sie haben mich nicht beschützt. Das SMS auf dem Rechner war deaktiviert.

IDNS: Hat sich die Art und Weise verändert, wie Sie Ihren Rechner nutzen?

Fiola: Ja. Ich nutze mein Laptop nur noch für die Arbeit und gehe nicht mehr Online damit. Die Tage des Surfens im Web sind gezählt, weil ich das alles niemandem wünsche.

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